Aktuelles

Wir waren ein paar Tage in Marokko

Mit etwas Verspätung!!

 

Reisebericht Schottland ist fertig.

Andere Länder, andere Vorfahrtschilder
Andere Länder, andere Vorfahrtschilder

Montag, 8. April 2013 bis

Donnerstag, 11. April 2013

 

Todrha – Merzouga – 210 km

 

Wir verlassen nun endgültig die südlichen Ausläufer des Atlas-Gebirges und die Landschaft wird zunehmend öder. Nur noch Steinwüste, alles flach, keine Berge, keine Dörfer, dafür wird es zunehmend wärmer.

 

Bei Taejdad nehmen wir auf der Nebenstraße R 702 die Abkürzung bis Erfoud, aber die Straße ist auch nicht schlechter als alle Nationalstraßen. Wir fahren schon vor dem Ort ab, kommen dann durch Rissani und ab hier beginnt die Wüste. In der Ferne, es sind noch etwa 30 km, sieht man schon den Erg Chebbi.

 

Unser angepeiltes Ziel „Haven la Chance“ liegt noch ca. 4 km vor dem eigentlichen Ort Merzouga. Dieser Platz war uns unterwegs 2 x empfohlen worden. Von der Hauptstraße geht es noch 2 km auf Schotterpiste bis zum Haus mit dem riesigen Stellplatz davor. Das Haus ist einer Kasbah nachgebaut, der Platz noch mit relativ jungen Bäumchen bepflanzt, von einer großen Mauer umgeben. Hinter dem Haus gibt es einen Garten mit Pool, darum herum gruppieren sich Zeltunterkünfte, in denen man auch wohnen kann. Direkt dahinter liegen die Dünen.

 

Zuerst bin ich etwas enttäuscht, weil man vom Womo aus die Dünen nicht sieht, aber bei den Windverhältnissen ist es weit besser so. Hier bleiben wir, man kann im Haus auch essen, es gibt einen schönen Speiseraum und alles ist großzügig und sehr gepflegt.

 

Wir holen den Roller raus und auf der Schotterstraße fahren wir bis Merzouga, einem Wüstennest. Einziger Vorteil ist, dass sich hier die höchste Düne des Erg Chebbi befindet, aber die nehmen wir morgen in Angriff.

 

Zurück beim Platz laufen wir in die Dünen hinein, aber es ist sehr anstrengend, im weichen Sand zu laufen, der fein wie in der Eieruhr ist. Dann lockt der Pool, dessen Wasser zuerst sehr frisch erscheint, aber dann geht es. Wir sonnen uns dann noch ein wenig. Die Sonne hat hier eine ganz andere Strahlung und mit einem spanischen Mobil stehen wir ganz alleine da.

 

Am Dienstag wachen wir auf und glauben es nicht – alles voller Wolken und die Wildtauben haben die ganze Nacht gegurrt.

 

Wir beratschlagen, was zu tun ist. Wir fahren ein Stück die Schotterstraße in Richtung Rissani bis zum Geschäft „Depot Nomad“. Von außen unscheinbar und kaum als Geschäft zu erkennen, von innen riesig groß in vielen ineinander übergehenden Räumen, alles sehr ordentlich aufgeteilt. Die Besitzer sind freundlich und nicht aufdringlich. Wir haben diesen Tipp aus dem Buch von Edith Kohlbach, von allein wären wir kaum gekommen.

 

Wir können uns in aller Ruhe umsehen, finden dann eine schöne Laterne. Im nächsten Raum sehen wir dann die Lampen, die wir schon in Asilah gesehen haben. Wir überlegen hin und her und kaufen dann ein Erinnerungsstück an Marokko.

 

Am Nachmittag nehmen wir die Düne in Angriff. Es ist gut, dass es bewölkt ist, bei Sonne wären wir eingegangen vor Hitze. Allein bis zum Fuß der Düne laufen wir erst mal eine halbe Stunde durch kleineres Dünengelände. Ziemlich schwer, so im Sand zu stapfen. Zuerst geht es mit dem Aufstieg noch, aber es wird immer steiler und immer mühsamer. Am Grat entlang geht es Meter für Meter hinauf. Ich japse ordentlich nach Luft, will 2 x aufgeben, schmeiße mich in den Sand, aber dann stapfe ich doch weiter, es ist entsetzlich steil.

 

Die Düne ist etwa 150 m hoch, was sich ja nach recht wenig Höhe anhört, aber sie will erklommen sein. Oben hat man einen schönen Blick auf weitere Sandberge, da wie gemalt daliegen. Ein einzigartiger Anblick. Exakte Linien, geschwungene Rundungen bildet der Sand, der hier oben ganz rot ist.

 

Wir halten uns eine gute Weile auf, genießen immer wieder die Aussicht und steigen dann entlang des Grats im weichen Sand wieder hinab. Zeitweise sacken wir bis zu den Waden ein. Ich schleppe noch eine Tragetasche Sand mit. Puh, das war anstrengend.

 

Abends haben wir Essen bestellt, aber unser Essen wird mit dem einer englischen Familie verwechselt und so kriegen wir nur sehr wenig ab.

 

Am Mittwoch machen wir einen Ausflug nach Rissani. 35 km sind durch Wüste zu fahren, da es nicht zu sehen gibt, zieht sich der Weg recht lange hin.

 

Rissani hat ca. 10.000 Einwohner, macht aber einen weit größeren und sehr lebhaften Eindruck. Die Einfahrt der Stadt schmückt ein großer und sehr prachtvoller Torbogen.

 

Kaum haben wir den Roller abgestellt, kommt schon einer, will uns alles zeigen und läuft mit uns. Heute sind weder Kamele noch Esel zu sehen, der Mann sagt, morgen ist großer Markt und wir sollen morgen kommen.

 

Das wissen wir noch nicht. Es ist sehr nervig, dass er unermüdlich mit uns mitläuft und uns unermüdlich in Geschäfte locken will. Gottergeben laufen wir dann mit, signalisieren aber höchst unfreundlich, dass wir nichts zu kaufen gedenken. Der Besitzer eines Ladens ist aber dennoch sehr freundlich. Wir bleiben standhaft!

 

Dann führt er uns zu einem Gewürzladen, weil wir ja immer noch Ausschau nach Arganöl halten. Er hat Arganöl, aber selbst abgefülltes wollen wir nicht, wir kaufen dann ein paar Gewürze, der alte Inhaber hat viele Tipps, erklärt uns in verständlichem Deutsch, wofür und wie man manches anwenden kann.

 

Nachmittags sonne ich mich, das muss man ja ausnutzen. Bill fährt mit dem Roller ca. 20 km nach Taouz, dem Vorhof zur Hölle und dem marokkanischen Außenposten an der Grenze nach Algerien. 

 

Donnerstag - großer Markt in Rissani.

Es lockt uns doch noch einmal dorthin. Im Vergleich zu gestern ist die Stadt heute ein einziges Gewimmel von Mensch und Tier. Gegenüber dem Markt gibt es einen großen Parkplatz der Nomaden. Keine Autos oder Räder, nein Esel und Kamele werden dort dicht an dicht geparkt, daneben den Schafsmarkt.

Über Märkte zu schlendern, gehört für uns einfach zum Urlaub dazu und natürlich bleiben wir wieder bei einem Stand hängen, kaufen Safran, Zimt und Amber.

 

Essen gibt's ohne Anmache im Womo, danach fahren wir zum 5 km entfernten Dayet Sri, einem flachen See, in dem viele Flamingos sind. Einsam und total ruhig ist es hier, aber auch hier steht wie aus dem Nichts ein Schmuckverkäufer vor uns. Nein danke!

 

Schwimmen und sonnen sind heute Pflicht, denn es ist heiß und kein Lüftchen weht, aber abends draußen zu sitzen und die Sterne zu sehen, ist dann so fantastisch, so viele Sterne sehen wir zuhause nicht.

 

Freitag, 12. April 2013

 

Merzouga - Midelt - 275 km

 

Heute ziehen wir weiter.Bis Erfoud Wüste, dann ändert sich die Landschaft wieder. Kurz hinter Erfoud sehen wir auf der linken Seite eine Wasserfontäne in die Luft spritzen. Was ist das denn? Amerikanische Geologen haben hier nach Wasser gegraben und sind fündig geworden. Aber es ist nicht trinkbar, sieht nach reichlich Eisen aus und mutet sehr merkwürdig an in der Landschaft.

 

 

Wir kommen ins Ziz-Tal. Der Fluss fließt viele km neben uns her. Links und rechts Berge, unten die fruchtbaren grünen Gärten, der Fluss und Palmen. Sieht schön aus.

 

Kurz vor Errachidia zweigt es ab zur Quelle von Meski. Es sind nur ein paar 100 m. Aber natürlich ist von der Quelle nichts zu sehen, das Wasser mündet in ein Schwimmbecken, in dem sich viele Kinder tummeln und ansonsten ist dieser grüne und an sich idyllisch-schattige Platz total vermarket und überall sind die unvermeidlichen Verkaufslädchen mit ihren aufdringlichen Händlern.

 

Nach Errachidia liegt mitten in den Wüstenbergen ein Stausee. Die Straße geht nun ständig bergauf, wir fahren durch einen von französischen Fremdenlegionären erbauten Tunnel, der schmal und eng ist. Die Landschaft ist einmalig schön, etwa 30 km vor Midelt passieren wir den Pass Tizi-n-Talghemt mit 1.907 m und hier oben ist es natürlich karg. Kaum geht es hinab, gibt auch wieder Baum- und Strauchbewuchs auf den Bergen und unten im Tal blühen die Apfelbäume.

 

Midelt liegt auf knapp 1.500 m Höhe und als wir ankommen hat es nicht nur merklich abgekühlt, nein, es fängt an zu donnern und regnet heftig. Wir brechen unseren Rundgang ab, verbleiben den Abend auf dem Camping Municipal, der sauber und ordentlich angelegt ist.

 

Camping Diamant Vert
Camping Diamant Vert

Samstag, 13. April 2013

 

Midelt - Fes - 280 km

 

Wieder fahren wir durch landschaftlich schönes Gebiet, unter anderem durch eine Hochebene mit Zedernwäldern. An der Stadtgrenze Meknes sieht es noch ganz gut aus, aber je weiter wir in die Stadt kommen, desto undurchdringlicher wird es. Wir verlieren vollkommen die Orientierung, haben keine Ahnung, wo wir uns befinden. Es gibt weder Straßen- noch sonstige Hinweisschilder. Wie sollen wir denn da den Stellplatz finden. Navi wäre jetzt gut.

 

Wir brechen entnervt ab, finden tatsächlich ganz gut wieder raus, richten uns am Stadtrand nach dem Marjane-Supermarkt Schild und kaufen erst mal ein.

 

Es ist ja nicht weit nach Fes und auf der Autobahn gelangen wir in einer knappen Stunde dorthin und fahren direkt zum Camping „Diamant Vert“. Es ist ein schöner Platz unter Bäumen, direkt davor liegt eine Art Vergnügungspark mit Schwimmbad, das jedoch noch kein Wasser hat.

 

Sonntag, 14. April 2013

In der Königsstadt Fes
In der Königsstadt Fes

Mit dem Roller geht es ganz gemütlich in die Stadt Fes.

Zuerst fahren wir durch die Neustadt, die einen europäischen Prachtboulevard hat, in der Mitte zwischen 2 Fahrstreifen sehr viel Platz für Fußgänger und alle paar hundert Meter ein Kreisverkehr mit tollen Springbrunnen in der Mitte.

 

Möglichst in die Stadtmitte wollen wir, was mit dem Roller kein Problem darstellt. Nur wissen wir natürlich wieder nicht, wo wir sind. Fragen einen Passanten, der nur zu hilfsbereit ist. Unseren Roller haben wir schon guten Händen übergeben, der darauf aufpassen wird. Wir sind am Place Rcif mit gleichnamigem Stadttor.

Ein junger Mann bietet sich als Stadtführer für 2 Stunden und 200 Dirham an. Hört sich gut an, machen wir. Wir tauchen ein in das Innenleben der ältesten der 4 Königsstädte. Das Gassenlabyrinth ist undurchschaubar, es wird immer enger und dunkler. Er macht seine Sache gut, erklärt und vieles zu Lebens- und Bauweisen, immerhin leben im Altstadtsouk noch 200.000 Menschen.

 

Plötzlich und ohne Vorwarnung rennt er mit Hochgeschwindigkeit davon, 2 weitere junge Männer hinterher. Was ist denn da los? Ebenso plötzlich steht die Touristenpolizei vor uns, weist sich ordnungsgemäß aus und da merken wir, dass wir einem „illegalen Führer“ gefolgt sind. Nicht nur er sondern auch wir als Touris machen sich strafbar, aber die Polizei ermahnt uns nur, vorsichtig zu sein.

 

Da stehen wir nun in den dunklen Gassen, laufen rechts, links, vor und zurück. Nach einer halben Stunde lichtet sich das Dunkel und siehe da, wir stehen genau wieder auf dem Place Rcif.

 

Das Stadttor „Bab Boujeloud“ wurde im Reiseführer als Ausgangspunkt für Besichtigungen angegeben, also wollen wir auch dorthin. Kurzerhand lassen wir den Roller stehen und nehmen uns ein Taxi.

 

Kaum dort angekommen, stürzt sich schon ein „legaler Guide“ auf uns. Gleicher Preis, gleiche Zeit. Machen wir. Aber auch hier haben wir schon wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zwar zeigt er uns die Karaouyine-Moschee, das Mausoleum des Stadtgründers Mulay Idriss II, den Nejjarine-Brunnen und als Höhepunkt ein Besuch im Gerberviertel. Hier können wir von einer Dachterrasse aus das mühevolle und schwere Felle gerben, beizen, reinigen und trocknen der Arbeiter sehen. Stunden könnte man hier verbringen.

 

Wir werden aber auch in folgende Geschäfte geführt: eine Stickerei, in der Frauen wundervolle und filigrane Handarbeiten anfertigen. Es folgt ein Laden mit Gewürzen, im Gerberviertel natürlich ein Ledergeschäft, zum Schluss die Weberei. Hier sind wir schon weich geklopft und können nicht mehr widerstehen.

Die Zeit ist um, 2 Stunden waren für diese Vielfalt natürlich sehr knapp bemessen. Er bringt uns mit einem Taxi wieder zurück zum Bab Boujeloud und wir wollen noch einmal auf eigene Faust diese schöne orientalische Altstadt erkunden.

 

Ein etwas untypisch marrokanisches Mittagessen geht voraus, dann lassen wir uns gut gestärkt mit dem Menschenstrom durch die Gassen treiben. Auch im Souk gibt es eine Aufteilung und Beschreibung und wir richten uns immer nach den Schildern zum Place Rcif, dort ist ja auch unser Ausgangspunkt und gute 2 Stunden später stehen wir wieder vor unserem Roller. Diese vielfältigen Eindrücke können wir gar nicht so schnell verarbeiten.

 

Deshalb heißt es jetzt erst einmal Frischluft und Weite und da Fes von einer 16 km langen Ringstraße umgeben ist und man die alten Stadtmauern somit alle sehen kann, umrunden wir auf 2 Rädern diese einmalige Stadt. Auf einem Hügel liegen die Merinidengräber, leider ist nicht mehr viel übrig, aber wir haben eine herrliche Aussicht auf die Stadt. Den Eingang des Königspalastes dürfen wir auch fotografieren. Über die Panoramastraße und die Neustadt geht es dann zurück zum Campingplatz. Es war ein aufregender und sehr eindrucksvoller Tag.

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