Kovalam


Kerala Backwaters


Cochin


Calicut

 

Sonntag, 25. März

Wir befinden uns im Bundesstaat

Eine lange Fahrt steht uns heute bevor, die uns auf die arabische Meerseite Indiens bringt. Mittagspause machen wir in Kanjakumari, mit 20.000 Einwohnern (nur!!) die südlichste Stadt Indiens, in der bengalisches und arabisches Meer sich treffen. Hier sind wir jetzt im 3. Bundesstaat unserer Reise – Kerala (das bedeutet Kokosnussstaat). In dieser Stadt wurde Ghandis Asche dem Meer übergeben. Auf Grund des Feiertags herrscht reger Ausflugsverkehr, viele Inder verbringen ihre heutige Freizeit hier und nehmen ein Bad im Meer.

Die Fahrt wird noch einmal durch die Besichtigung des Maharadja-Palastes in Padmanabhapuram, ganz in Holz gebaut und in hervorragendem Zustand, unterbrochen. Die Giebel und Säulen sind aus filigranen Holzschnitzereien.

Gegen Abend erreichen wir unser Hotel in Kovalam, eine weitläufige, gepflegte Hotelanlage mit mehreren Häusern, einem schmucken Garten, 3 Pools, alles blitzblank.

 

Einige hundert Meter vom Hotel entfernt gibt es einen Liqueur-Shop, der sogar über ein gewisses Wein-Sortiment verfügt, was mal eine nette Abwechslung ist. Wir hätten es lassen sollen, 10 Euro für eine Plörre standen nicht dafür.

 

Direkt am Strand wartet ein Lokal auf uns. Wir sitzen etwas erhöht, unter uns die Meeresbrandung, ein Sonnenuntergang, der nicht fotografisch festgehalten sein muss, aber wir sind happy, es gibt ganz hervorragende Prawns.

 

 

Montag, 26. März

Wie im Urlaub
Wie im Urlaub

Das Frühstücksbuffet kann sich zum ersten Mal auf dieser Reise sehen lassen. Es gibt wirklich „alles“.

Die Ayurveda Praxis am Strand schaut gut aus, wir melden uns an, können auch gleich um 10.00 Uhr kommen. Das Hotel liegt weit außerhalb der Ortschaft direkt am nördlichen Stadtrand, ein paar Geschäfte haben sich dennoch daneben angesiedelt und da wir noch Zeit haben, erstehe ich 2 Seidenkaftane. Doch dann werden wir in Öl getunkt, von Kopf bis Fuß ayurvedisch bearbeitet, was ganz unromantisch einer normalen Massage nicht unähnlich ist.

 

Ein wenig relaxen wir, schwimmen, trinken Kaffee – es ist fast wie Urlaub! Am frühen Nachmittag wird der Ort mit samt dem Leuchtturm am südlichen Ortsende in Angriff genommen. Ein etwa 4 km langer Weg führt direkt am Strand entlang dorthin. Wir überqueren immer wieder mal ein paar Felsen, auch ein Stückchen durch die Ortsmitte.

Immer am Strand entlang in den Ort
Immer am Strand entlang in den Ort

Hier wird jedoch sehr deutlich, dass wir in einem gefragten Touristenort sind. Restaurant an Restaurant entlang des Strandes, Geschäfte über Geschäfte, fliegende Händler mit Tüchern, Trommeln und anderem Kitschzeug. Die Saison geht langsam dem Ende zu, deshalb halten sich die Touris in Grenzen. Ein Gewürzlädchen direkt am Leuchtturm wird angesteuert und hier finden wir dann unser Sortiment, das uns für lange Zeit reichen soll.

 

Der Leuchtturm will erklommen sein, das letzte Viertel ist nur eine steile Hühnerleiter und die Schuhe mussten natürlich draußen bleiben. Im Abendlicht wäre es hier sicher wunderschön, derzeit ist das Licht noch gleißend hell, aber wir haben einen schönen Rundblick.

 

Ein entspannender Tag geht im Strandrestaurant zu Ende.

Dienstag,  27. März

 

Rundgang durch das kleine Dorf beim Hotel
Rundgang durch das kleine Dorf beim Hotel

Um 7.00 Uhr morgens legen die Fischerboote mit ihrem bescheidenen Fang an, wir sind um diese Zeit schon bei unserer 2. Ayurvedischen Behandlung, die in der letzten halben Stunde derart gestaltet wird, als dass uns warme Buttermilch-Molke über die Stirn fließt, was an sich beruhigend und entspannend ist, mir aber saust die Buttermilch 3 Mal in die Augen.

 

Dafür genießen wir wieder das köstliche Frühstücksbuffet. Auch nach Norden hin gibt es einen noch ca. 1 km langen gepflegten Fußweg, der aber dann in typisch indische Pfade übergeht. Entlang eines Binnensees stiefeln wir auf sandigem Wege bis ins nächste Dorf bis zu einer Moschee und dann den gleichen Weg zurück.

 

Wir schauen der Brandung zu, schwimmen im Pool, essen heute Abend im Hotel, wo uns auch wieder ein lukullisches Buffet kredenzt wird und trinken am Abend bei strömendem Regen unseren Wein auf dem Balkon.

 

 

Mittwoch,  28. März

Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt – meine optische Sonnenbrille ist weg. Wir passieren die Hauptstadt Keralas, Trivandrum, unterwegs nur handwerkliche Betriebe, saubere Hochhäuser und erstaunlich viele Autohäuser.

 

Unser Ziel sind die Backwaters, ein zwischen dem Meer und den Bergen der „Western Ghats“ gelegenes Feuchtgebiet, bestehend aus Seen, Lagunen, Flüssen und Kanälen. An den Ufern Gemüsegärten, Reisfelder, Kokosnussplantagen. Dieses Gebiet ist durch Überbevölkerung und die damit verbundene Industrialisierung sowie Umweltverschmutzung, Überdüngung der Felder stark gefährdet.

 

In den Backwaters
In den Backwaters

In Alleppy steigen wir auf Hausboote um, die uns durch diese Wasserwelt bis zum nächsten Tag schippern sollen. Jedes Boot hat 3 Kabinen, kaum sind wir an Bord, geht’s auch schon los. In gemütlichem Zuckeltempo gleiten wir durchs Wasser. Hier werden wir dann auch verköstigt, der Fisch ist zwar ein Hungerhaken, aber Reis und Gemüse schmecken gut. In einem Dorf steigen wir aus, schachbrettmuster artige Wege ziehen sich entlang, von der Bevölkerung sieht man wenig. Eine kleine Sektenkirche ist unser Ziel, danach geht’s wieder aufs Boot. Die Crew serviert uns ganz leckere gebackene Brote mit Marmelade und in Teig frittierte Bananen, einfach köstlich. In der Abenddämmerung legen wir an, genießen die Stimmung an Bord und auf dem Wasser vor allem deshalb, weil es hier ruhig ist.

 

Donnerstag, 29. März

 

 

 

Ein neuer Morgen

Die Crew kann es – Pfannkuchen bereichern das Frühstück. Umstieg in den Bus, die Fahrt geht nach Cochi, Mattancherry. Das Hotel liegt in einer belebten Straße. Incredible India – im Restaurant gibt es Schwarzwälder Kirschtorte, die von Indern verzehrt ist, noch bevor wir ein Stück kosten können.

Am Nachmittag pilgern wir in Richtung jüdisches Viertel, wo sich Antiquitätengeschäft an Geschäft reiht. Alles sieht klein und niedlich aus. In einem gehobenen Antiquitäten-Restaurant am Wasser halten wir Mittagspause und wir sitzen direkt zwischen all dem Zeug. Mal was ganz anderes.

Hier lässt es sich angenehm weitergehen, weil die Straße nicht vollgestopft ist mit Verkehr und Menschen. Wir verschaffen uns einen Überblick über den portugiesischen Stadtteil, die Basilika Santa Cruz und die St. Francis Church, die wir morgen besichtigen wollen.

Die Attraktion von Cochi, die chinesischen Fischernetze sind eine einzige Enttäuschung für mich. Malerische Kulisse ist auf Fotos und Karten zu sehen, doch weit gefehlt. Auf der anderen Wasserseite eine Werft, Krananlagen, weitere Industrieanlagen. Es ist zum Heulen. Ich hatte eine romantische Kulisse erwartet. Es gelingen uns dennoch ein paar Schnappschüsse, sehr schräg gehalten.

Noch während wir hier stehen, landen Fischerboote mit ihrem üppigen Fang an und die anschließende Fischauktion ist ein Erlebnis. Die Fische werden auf den Bürgersteig gelegt, der Auktionator legt los, andere werden vom Fleck weg verkauft. Ein Gewusel von Männern, Fischen, dazwischen ein paar Katzen und wir mit unseren Fotos tummelt sich auf der Straße. Man lässt uns gewähren, wir können mitten in deren Arbeit ungehindert klack-klack die Kamera heiß laufen lassen.

 

Gerade noch rechtzeitig kommen wir vor einem ungeheuerlichen Monsunregen im Restaurant an, essen gemütlich zu Abend und ein Tuc-Tuc bringt uns in der Dunkelheit sicher ins Hotel zurück.

 

 

Freitag, 30. März

Schon um 9.00 Uhr morgens machen wir Cochi unsicher. Die Geschäfte öffnen gerade erst, aber als wir aus dem ersten herauskommen, sind alle anderen auch geöffnet. Zu viert macht das Shoppen Spaß, einer berät den anderen, die Männer halten bereitwillig unsere Taschen und Kameras, damit wir in Ruhe stöbern können.

 

Man spreche uns den guten Willen für Kultur nicht ab, aber bitte sehr heute nicht. Schleppend kommen wir voran, machen zwischendurch Pausen, die Männer dürfen im Hinterstübchen ein Bier trinken.

 

 

Nach so viel Einkäufen – wir hören stets „you are the first customer – I give you good morning price“ und das zur besten Mittagszeit! Wir vertilgen dann auch erst mal lecker gebratene Nudeln und dann drängt auch schon die Zeit. Die Basilika Santa Cruz und die St. Francis Church liegen ja beide im portugiesischen Viertel. Im Kirchhof von Santa Cruz lichten wir ein paar nette Mädchen ab, die sich auf Grund des letzten Schultages heute besonders schön geschminkt haben.

In St. Francis ist Vasco da Gamo begraben, wurde aber später nach Portugal überführt. Es ist die erste europäische Kirche auf indischem Boden. Der benachbarte Markt reizt uns nun nicht mehr, wir trinken noch einen Kaffee.

Rechtzeitig um 17.00 Uhr sind wir im Theater, um an einer Katakali Darbietung teilzunehmen, das sind Tänze zu Ehren der Götter.

 

Wir schauen 1 Stunde zu, wie die Akteure sich schminken, um 18.00 Uhr geht die Vorstellung los, es dauert 1,5 Stunden.

 

Unterwegs ist uns ein hübsches Lokal aufgefallen, in dem wir anschließend zu Abend essen. Hier trinken wir zwar das teuerste Bier der Reise, essen dafür aber ein schmackhaftes Huhngericht mit wenig Huhn! Marion rundet das Ganze mit einem richtigen Pfannkuchen ab.

 

 

Samstag, 31. März

 

Eine weite Strecke bis nach Calicut liegt vor uns, wir starten früh. 

Ein Elefantencamp mit 64 Elefanten, der älteste 74 Jahre alt, ist einen Stopp wert. Wir sind mitten in den Tieren, die bei einem Gewicht von ca. 2.700 kg doch täglich ca. 300 kg Palmblätter futtern. Eine gute Logistik ist hier notwendig.

Calicut ist schon am Stadtrand chaotisch, man kann keine Orientierung ausmachen, aber ein riesiges Kaufhaus bzw. eine Seidenherstellung wollen wir uns nicht entgehen lassen. Also Koffer abladen und los geht’s. Leider kapieren die Verkäuferinnen absolut nicht, was Marion will, wir sind umringt von Personal, werden durch alle Verkaufsräume dirigiert, um völlig entnervt wieder zu gehen.

Da wollen wir nur noch den Sonnenuntergang am Strand sehen, aber es ist viel zu früh. Die breite Strandpromenade ist bevölkert von Menschen, die ganze muslimische Einwohnerschaft trifft sich hier mit Kind und Kegel. Für mein Empfinden herrscht hier eine merkwürdige Stimmung. Auf der anderen Seite entdecken wir Hähnchen, die sich auf dem Rost drehen. Endlich mal große Teile von Hähnchen, nicht immer nur irgendwelche Brocken, an denen auch noch Knochen sind.

 

Sie sind auch schon fertig gegrillt und wir lassen es uns trotz der etwas dusteren Lokalumgebung gut schmecken. Man reicht uns sogar noch Karotten und Gurken dazu. Das anschließende Buffet im Hotel ist den anderen gleichgestellt, wenig Abwechslung, aber heute gibt es Eis zum Nachtisch und wir langen zu.

 

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