Diese Reise war Wahnsinn

 

Diese Reise war lecker

Um 7.45 Uhr starten wir am 5. Tag unserer Reise mit kleinem Gepäck für 2 Nächte ins Mekong-Delta. Diesmal sind wir relativ schnell aus Saigon heraus.

Bei Ben Luc besichtigen wir einen Tempel der Cau Dai Sekte. Religiöses "Tutti-Frutti oder vietnamesisches Disneyland", irgendwie passt alles. Cau Dai ist eine spirituelle Sekte, gemischt aus verschiedenen Religionen, deren Erkennungszeichen die weissen Gewänder sind. Im Altar das Bild mit dem Auge, ist das höchste Wesen für Cao Dai, weil es "alles " sieht.

Hinter dem Tempel gibt es direkt eine Küche. Trotzdem ist der ganze Prunk im Tempel ziemlich beeindruckend. Steht da z.B. ein Flamingo auf einer Schildkröte, das symbolisiert Himmel und Wasser.

 

Unsere Fahrt geht bis Cai Be, dort steigen wir in ein Boot um. Total fremdartig die ganzen Häuser und Hütten hier ringsum, fast alle auf Stelzen gebaut.

Nach einer knappen halben Stunde steigen wir aus. Während dieser kurzen Fahrt hatten wir nur nach links und rechts zu schauen, die neuen Eindrücke können gar nicht so schnell aufgenommen warden. Boote, Menschen, die Häuser- und Hüttenansammlungen, es ist ein Wahnsinn.

Wir steigen also aus, sehen uns an, wie Reispapier gemacht wird, das vielerlei Verwendung findet, z.B. um leckere Spring-Rolls einzuwickeln. Eine Maschine verarbeitet Kokuskaramell, wir probieren Reispapier mit Kokus und schwarzem Sesam, total lecker. Lecker ist auch der Lieblingsausdruck von unserem sonst nur englischsprachigem Luc.

In einer weiteren Ecke wird Popreis hergestellt, sieht faszinierend aus, wie es in der großen Pfanne regelrecht explodiert. In der nächsten Ecke wird der Popreis zu großen Vierecken geformt, dann wieder geschnitten und in kleine Portionen tütenweise verpackt. Man serviert uns Tee und wir dürfen die ganzen Köstlichkeiten probieren.


Weiter geht die Fahrt mit dem Boot, der Fluss wird breiter, aber die Ufer sind weitgehenst mit diesen grünen Schlingpflanzen bewachsen. Es wird auch Wasserspinat, in englisch "Morning Glory" angebaut, aber uns entzieht sich der Unterschied zwischen Schlingpflanzen und Spinat. Gut, dass Wind weht, es ist fast unerträglich heiss und dann fängt es auch noch an zu regnen. Gut, daß das Boot überdacht ist.

Gegen 13.00 Uhr halten wir an einem Lokal am Fluss, das in den Fluss hineingebaut ist. Wir sitzen gemütlich auf Pfahlbauten direct über dem Wasser und was un shier serviert wird, sieht nicht nur köstlich und appetitlich aus sondern schmeckt auch "lecker". Vor dem Essen ist jedoch Mutprobe angesagt, einige aus der Gruppe überqueren erst noch die Monkeybridge. Es kommt ein gegrillter, stehender Fisch, dazu Salat und Reispapier, schmackhafte kleine Fleischröllchen, in durchbrochenem Reispapier eingewickelt. Salat und Fisch wird ins Reispapier eingerollt, in Fischsauce getunkt und gegessen. Danach kommen Riesengarneelen, danach Reis, Nudelsuppe und leckeres, ganz mageres und zartes Schweinefleisch. Einfach nur köstlich und wir sind alle begeistert von dem Essen. Den Abschluss bilden Bananen und Ananas.


Auf unserem Weg zu den schwimmenden Bungalows, machen wir Stop auf einer Frucht- und Pflanzenplantage. Luc erklärt uns alles ganz genau, aber hier ist es mir zu tropisch heiss. Dennoch erkenne ich jetzt den Unterschied zwischen Durian und Jackfrucht (sie hat weniger Stoppeln, ist also etwas glatter) und kann Langan, die kleine braune runde Frucht erkennen. Rambutan sieht ähnlich aus wie Litschi und so profane Früchte wie Drachenfrucht oder Mangos und Guaven erwähnt man gar nicht mehr. Auch hier werden uns Tee und Früchte serviert und sogar eine musikalische Darbietung findet statt. Das eine Musikinstrument sieht interessant aus, auch wenn die Töne etwas näselnd sind.

Eine halbe Stunde später erreichen wir die Logde. Die Zimmer liegen alle am Wasser direkt nebeneinander. Es sieht aus wie in Italien oder England die kleinen Badehäuschen. Das Zimmer erinnert mich an Nepal, aber es hat Klimaanlage und einen Kühlschrank, der Gecko ist eine kostenlose Beigabe.

Die Anlage wird nicht nur von Übernachtungsgästen genutzt sondern es kommen auch Tagesgäste hierher, um die verschiedenen Tiere zu sehen oder um Spielplatz und Boot fahren zu nutzen, wahrscheinlich hauptsächlich wegen der Kinder.

Vor unseren Zimmer ein langer Steg, unmittelbar davor der Mekong. Rechterhand geht es zu einem Freiluftrestaurant, dahinter ein Gehege mit zerrupften Pfauen, noch weiter hinten ein Bassin mit Krokodilen. Ich zähle 24, sie müssen sich das kleine Bassin gut einteilen, obwohl es in der Mitte eine Insel gibt. Derzeit findet Raubtierfütterung statt und sie erhalten Frischfleisch und Fische. Hier endet die Anlage und es geht wieder zurück, links am Restaurant vorbei ein Teich, dahinter ein weiterer Teich mit Schwanenbooten, dann wieder Strausse (auch zerfleddert), Rehe, Affen, Pfaue, einer davon riesig. Am Ende der Anlage einige wunderschöne Bäume mit gelben Blüten, die übrigens überall verstreut auch wachsen.

Heute ist Schlemmtag; Abendessen um 19.00 Uhr und das ist wieder unvergleichlich. Zuerst gibt es Ban Xeoh, dismal kriegen wir sie freundlicherweise gerollt und sauen uns nicht wieder ein, dazu Minifrühlingsröllchen, Nudelsuppe, die ist etwas glibberig, leckere Nudeln mit Gemüse, Reis mit gegrilltem Fisch in Tomatensauce, Tintenfisch mit Paprika und Zwiebeln. Zum Nachtisch Melonenstückchen.

Die Klimaanlage versagt jämmerlich und die Nacht ist heiss. Der Gecko ist artig, lässt keinen Mucks los.

Nach dem Frühstück brechen wir zu einer Radtour auf. Es ist natürlich schon wieder knallheiss. Wir probieren verschiedene Räder aus, irgendwie geht es. Zunächst ist der Pfad aus der Logde heraus ca. Bürgersteigbreit, betoniert und selbstverständlich herrscht hier ebenso großer Verkehr an Mopeds und Rädern. Wir müssen ziemlich aufpassen. Links und rechts kleine Häuser, überall Kanäle oder Wasseransammlungen, es geht über unzählige Brücken, ähnlich wie in Venedig.

Wir stoppen an einem Markt. Hier warden Bananen fritiert, Fische auseinandergenommen, Gemüse sortiert, Hühner, Enten, alles läuft durcheinander. Am Ende des schmalen Pfades, der in eine Strasse mündet, schmaler als ein geteerter Feldweg, steht eine Pagode in einem 7.000 m² großen Garten, deren Altar auf der einen Seite einen Buddha hat, auf der anderen Seite eine Göttin. Alles wieder ganz bunt und vielfältig. Ein Mönch frühstückt in einer Ecke, alles wieder aufregend, eindrucksvoll, aber ungewohnt. Nach 2 Std. Fahrt sind wir wieder zurück, probieren noch ein Glas Zuckerrohrsaft. Eine Stange Zuckerrohr wird 3 x durch eine Maschine gepresst, der Saft läuft in einen Auffangbehälter - fertig. Er ist ziemlich süss, aber mit Eis köstlich.

 

Mit einem Boot setzen wir über den Fluss, drüben wartet schon unser Bus und die weitere Fahrt nach Can Tho dauert ca. 1 ½ Std. Wirbefinden uns jetzt wieder auf der Haupttrasse Nord-Süd. Überall ist die Schule aus (hier wird in 2 Schichten unterrichtet) und ganz viele Schüler fahren mit den Rädern, die Mädchen alle gekleidet in "ao dai", ein schmal geschnittenes Oberteil, das bis zu den Knöcheln herabfällt, seitlich bis an die Taille geschlitzt ist und darunter mit einer Hose zu tragen ist. Es sieht sehr hübsch aus und ist nicht nur allein Schuluniform sondern zu Recht das berühmteste Damen-Kleidungsstück Vietnams, auch als elegantes Festtagsgewand zu tragen. Aber man sieht noch sehr viele Frauen darin.

In einem Vorort von Can Tho müssen wir mit einer Fähre über den Fluss. Aussteigen und hinein ins Gewühl. Eine Hitze, Menschen, LKW's, Busse, Mopeds, überall Menschen, die Waren anbieten, vom Getränk über Sonnenbrillen, Frauen, die fermentiertes Fleisch in kleinen eingepackten Päckchen anbieten.

 

Die Überfahrt dauert 10 Min., dann sind wir in Can Tho, einer Stadt mit 400.000 Einwohnern, die größte und zugleich Hauptstadt von Südvietnam. Alles wirkt hier weit großzügiger, sauberer und etwas europäischer als anderswo. Die Geschäfte sehen sehr gepflegt aus, bieten durchaus Waren für unseren Geschmack an und alles ist dekorativ ausgestellt.

Unser Hotel liegt direkt am Fluss, unser Zimmer im 5. Stock mit schönem Blick auf den Fluss und davor saubere und ganz gepflegte Grünanlagen, die sich den ganzen Fluss entlang ziehen. Grünanlagen überhaupt sind was wir bislang gesehen haben, überall schön angelegt und sehr sauber.

Unweit vom Hotel ist ein kleiner Markt, der aber in eine große Halle hineingebaut ist, und saubere und schöne Stände hat. Die Waren sind alle sehr hübsch und nicht ganz billig.

Luc führt uns durch die Strassen zum Markt Hai Ba Trung. So heissen übrigens auch ganz viele Strassen in Vietnams Städten und nach einer halben Stunde sind wir da. Wir sind die schöne, mit netten Geschäften gesäumte Strasse entlang gelaufen.

Dieser Markt ist nur Lebensmittelmarkt, aber schön aufgebaut und bietet vom Sellerie bis zum Fisch alles. Viele Gemüse und Gewürze sin duns unbekannt und wir staunen nur, was es alles gibt. Das Foto mit dem braunen Haufen ist Tamarinde.

Das Fruchtfleisch kann roh gegessen werden und besitzt einen süßsauren Geschmack. Wenn sie sehr sauer schmecken, sind sie übrigens noch nicht reif. In der asiatischen Küche werden Tamarinden zudem oft in der Küche verwendet und besitzen ein breites Anwendungsspektrum von Soßen über Chutneys und Süßigkeiten bis zu Kaffeersatz. Für letzteres röstet man die Tamrindensamen.

Zeitweise sind die Gerüche nichts für meine europäisch empfindliche Nase und man sieht auf dem ganzen Markt nicht einen einzigen Touristen. An einem Stand lassen wir uns eine Ananas schälen, toll mit zuzusehen, wie er das ganz fachmännisch macht, teilen sie mit Petra und Matthias und sie schmeckt wunderbar saftig.

Nach einer Stunde geht es weiter zu Fuss zu einer Pagode, deren Hauptgläubige die Khmer sind, einer hauptsächlich im Mekong-Delta angesiedelten starken Minorität. Die Pagode, hier Chua genannt, unterscheidet sich allein durch den steilen, drachengesäumten Treppenaufgang von einer vietnamesischen Pagode. Und der Gebetsraum beschränkt sich auf das nötigste. Es leben ca. 15 Mönche hier, erklärt uns der eine sehr freundliche, lässt sich gerne fotografieren, gibt uns einige Erläuterungen, Räucherstäbchen und beschenkt uns mit je einer Flasche Wasser als "Gift from Buddha". Sie leben nach der Form des Mahayana-Buddhismus (mehr darüber im Internet). Natürlich kriegt er eine angemessene Spende und wir seine e-mail Adresse und sollen ihm das Foto schicken.

 

Am 7. Tag unseres Urlaubes, es ist Karfreitag, stehen die schwimmenden Märkte auf dem Programm. Bereits in der Morgendämmerung machen viele Vietnamesen in der Grünanlage vor dem Hotel ihren Frühsport. Kaum eine Viertelstunde später steht die Sonne am Himmel, aus dem 5. Stock können wir das sehr schön sehen.

 

Zwischen dem Hotel und dem kleinen Markt befindet sich eine Bootsanlegestelle und wir teilen uns in 2 winzig kleine flache Boote à 5 Personen auf. Das gefällt uns weit besser als ein großes überdachtes Boot. Unser „Captain" ist eine robuste Vietnamesin (die einzigste korpulente Frau, die ich in Vietnam gesehen habe), die ihren 3 PS Motor und die Paddel gut im Griff hat. Wir fahren schon um 7.00 Uhr den Fluss hinunter, einer der größten schwimmenden Märkte des Deltas befindet sich 6 km von Can Tho entfernt.

Eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt. Zu beiden Seiten armselige Hüttenansammlungen, am Flussufer Handwerksbetriebe, auf dem Fluss Boote aller Art, wir können gar nicht erkennen, was sie alles transportieren. Der Fluss selbst ist braun, jeglicher Unrat schwimmt darin herum, aber die Menschen am Ufer baden, schwimmen, waschen sich, ihre Wäsche, ihr Geschirr. Dabei wirken sie völlig unbekümmert.

 

Der schwimmende Markt selbst enttäuscht uns ein wenig, dachten wir doch, er findet auf einem Seitenkanal statt und es gäbe Händler aller Art. Statt dessen tummelt sich alles auf dem großen Fluss, die „Marktboote" bieten nur Lebensmittel an, das natürlich in beeindruckenden Mengen und anhand der aufgehängten Stangen an den Booten kann man erkennen, welche Waren sie verkaufen, weil die jeweilige Frucht bzw. das Gemüse an der Stange hängt.

 

Unsere Fahrt geht in einen Nebenkanal, die Bepflanzung wird dichter, überall Wasserpalmen und andere Bäume, die in den Fluss wachsen. Haus an Haus oder Hütte an Hütte. Während der gesamten Fahrt in den Nebenkanälen streikt der Motor unserer Bootsführerin mehrfach und muss von Plastik oder Schlingpflanzen befreit werden, die im Fluss schwimmen. Unterwegs hält sie, pflückt jedem von uns einen Zweig Blüten. Richtig nett. Im übrigen finden wir die Menschen hier im Delta überhaupt sehr nett und zugänglich, denn ganz viele winken und einfach zu und die Kinder sowieso.

Der Kanal wird noch enger und mitten drin halten wir, steigen aus, um einen herrlich verwilderten Obstgarten zu bescihtigen. Uns werden Ananas, Mangos, Papaya, Sapodillas serviert und wir bestellen dazu lecker frisch gepresste Säfte. Die Mädels wollen natürlich Schmuck und Kimonos und anderen Souvenirkitsch verkaufen und was hören wir wieder: „Madame, Madame, we have many color". Der Chef des Hauses, ein fixer, älterer aber zahnloser Mann, führt uns herum und erklärt uns seinen Durcheinander-Dschungel, nicht nur im Garten sondern die ganze Umgebung. Es fehlen hier drin nur noch die Schlangen und Krokodile.

 

Nach einer guten Pause geht die Fahrt weiter, der Kanal wird wieder breiter, die Bebauung dichter, schließlich mündet der Kanal wieder in den Fluss und wir kommen von der anderen Seite, vorbei an unserem Hotel, wieder an unserer Anlegestelle an. Es war ein schöner Ausflug.

 

Wir holen unser Gepäck aus dem Hotel und müssen den gleichen Weg zurück nehmen, d.h. wieder mit der Fähre über den Fluss. Nur stehen wir heute leider

1 ½ Std. im Stau, bevor wir übersetzen können.

 

4 Std. dauert die Fahrt zurück nach Saigon. Am Stadtrand von Saigon durchfahren wir das Viertel, wo die Reichen und Schönen sowie ausländische Einwohner leben. Alles ist großzügig, sauber und gepflegt und es gibt viele Häuser mit Gärten. Gleich darauf hat uns jedoch der Moloch Saigon wieder und wir steigen im gleichen Hotel wie vor 2 Tagen ab.

Eigentlich wollten wir nichts mehr unternehmen. Wir beziehen unser Zimmer (Gott sei Dank wieder zum Hinterhof), laufen zum Supermarkt, kaufen Baguette, Schinken, Käse und Bier und wollen nur noch gemütlich im Zimmer ohne 30 Grad, 90 % Luftfeuchtigkeit und Millionen Mopeds verbringen.