Madikeri


Hassan


Mysore


Bangalore

 

Sonntag, 1. April

Die Morgengebete aus den Moscheen lassen uns früh aufwachen, das geht seit Tagen so. Da wir auch heute eine größere Strecke bewältigen müssen, bislang betrug unsere Fahrtstecke insgesamt ca. 1350 km, geht es bis Male noch an der Küste entlang. Nördlich von Calicut befindet sich der Kappad Beach, hier wurde Indien 1498 vom portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama entdeckt. Man hat ihm hier ein kleines Denkmal gesetzt, aber viel schöner ist der Strand.

Danach wechselt die Landschaft langsam, wir sehen Kaffee- und Teeplantagen, Wasserfälle, Gewürzgärten, kleine idyllische Bergdörfer prägen die Natur, später viele Kautschukplantagen. Alles ist schön grün, dafür die Straße eng und kurvig und in schlechtem Zustand.

 

Die Mittagspause an einem kleinen Straßenlokal lässt mich genüsslich schwelgen. Es gibt hier süßes Gebäck, das wie zu fest gebackene Berliner schmeckt, aber gut.

 

Madikeri auf 1.500 m Höhe gelegen, ein kleines Städtchen, das eigentlich nichts zu bieten hat außer der kleinen Gartenanlage, nennt sich Rajas Seat, ein schöner Aussichtspunkt mit Blick ins Tal.

 

Die Luft ist angenehm, die Schwüle verschwunden und sogar das Wasser im Pool ist kühl und erfrischend. Ein heftiger Regen macht weiteres Aufhalten im Garten unmöglich, aber die angenehme Luft danach lässt uns sogar die Balkontür öffnen.

 

 

 

Montag, 2. April

Kaffeeplantagen und Pfefferbäume soweit das Auge sieht
Kaffeeplantagen und Pfefferbäume soweit das Auge sieht

Die gute Nachtluft war auch mit Schnaken verbunden. Das Wasser im Pool dampft in der Morgensonne, herrlich.

 

Mit Jeeps geht es heut auf engen Wegen in die Plantagen hinein. Ordentliche Wegweiser zeigen die Bezirke und Besitzer an. Wir halten zunächst an einer Grundschule, jedoch sind wegen der Ferien kaum Kinder da, das gleiche Bild auch im wenigen km entfernten Kindergarten.

 

Eine Wanderung durch die Kaffeeplantagen lässt und schauen, wo Robusta und Arabica wachsen, die sich als Pflanze in der Größe der Blätter unterscheiden. Geerntet wird im Januar und Februar, wir sehen also nichts mehr, allerdings fangen einige Arabica-Büsche schon wieder an zu blühen und wir meinen, mitten in Jasmin-Sträuchern zu stehen, stark und intensiv der Duft, weiße Schnellbällchen die Blüte. An den Bäumen wächst auch Pfeffer, der gerade geerntet wird und für unsere Begriffe ziemlich schwierig, da nur kleine, unstabile Leitern an den Bäumen lehnen.

Auf einer Hochebene liegt ein Kaffeetrocknungsplatz, den wohl mehrere Plantagen nutzen. Wir steigen noch eine kleine Anhöhe hinauf, dort steht das Plantagenhaus, in dem wir Mittag machen und sehr gut verköstigt werden. Der uns angebotene Kaffee danach lässt jedoch sehr zu wünschen übrig. Und das auf einer Kaffeeplantage.

 

 

Wieder in Madikeri steigen wir im Ort aus, wollen ein wenig Gewürze einkaufen, allerdings lässt ein langer Stromausfall alle Geschäfte im Dunkeln und wir wenden uns dem Fort zu, das auf einer Anhöhe liegt. Diente es Anfang des 19. Jh. den lokalen Herrschern als Sitz, sind heute heruntergekommene städtische Einrichtungen darin untergebracht. Man kann aber auf der Mauer des Forts herumlaufen und den Blick auf die Berge genießen.

Sauber und gepflegt dagegen sind die Grabstätten der Rajas auch aus dem 19. Jh., die auf einer Anhöhe liegen und die wir auch noch besichtigen.

 

Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Pool und im Garten, das Hotel hat eine nette Bar, das abendliche Buffet ist sehr gut.

 

 

Dienstag, 3. April

 

Die Fahrt geht nach Hassan. Die Landschaft ändert sich komplett, kleine Dörfer mit Lehmziegelhäusern, Gräben davor, Kühe und Ochsen vor den Häusern, Felder links der Straße. An einem Waschplatz halten wir, schauen den Frauen bei der Wäsche zu und sind dankbar für unsere modernen elektrischen Einrichtungen.

Eine wohltuende Abwechslung nach all den indischen Hindutempeln ist die Besichtigung eines tibetisch-buddhistischen Klosters und der dazugehörigen Tempelanlage.

Wir laden unser Gepäck im Hotel ab, die Tempelanlage des Halebid mit einem See im Hintergrund, alles in einer grünen und weitläufigen Anlage, will erkundet werden. Der Tempel steht auf einer 1,60 m hohen Terrasse, was das Umrunden leicht macht, denn die Reliefbänder mit dem Figurenschmuck zeichnen ihn aus und alles liegt auf Augenhöhe.

Nachdem wir in Hassan im Hotel unser Gepäck abgeladen haben, fahren wir zur Tempelanlage Chennakeshvara. Hier fasziniert uns weniger der Tempel als seine Besucher. Man bereitet sich auf ein Ereignis vor, viele Menschen haben bereits vor dem Tempel ihr Lager ausgeschlagen. Blumen werden geliefert, ein geschmückter Tempelwagen steht bereit.

 

Mittwoch, 4. April

 

Noch in der Morgenfrische, es sind ca. 28°, aber die Steine noch nicht erhitzt, steigen wir etwa 600 Stufen zum Sravanabelagola Tempel hinauf, dessen Hauptanziehungspunkt die 17 m hohe Granitsäule des Gomateshvara ist, die verehrt wird und von einem Ganga-König in Auftrag gegeben wurde. In der Mittagshitze hätten wir diese Stufen ohne Schuhe nicht bewältigen können. Gegenüber sehen wir den Chandragiri-Hügel, auf dem sich der Legende nach ein Maurga-Kaiser zu Tode gehungert haben soll.

Auf der 135 km langen Fahrt nach Mysore überqueren wir den Fluss Chauvery, in dessen Mitte eine 5 x 1 km lange Insel liegt, die den Tipu-Sultan Palast beherrscht. Das Gebäude in der Gartenanlage macht schon fast einen spielerischen Eindruck.

Leider dürfen wegen der Wandmalereien keine Bilder gemacht werden.

 

Das wenige km entfernte Mausoleum ist fast schöner anzusehen als der Palast und ein Mausoleum sieht aus wie eine Moschee.

 

Am Nachmittag machen wir einen Erkundungsrundgang durch Mysore. Vorbei am Uhrturm, dem Ghandi-Square mit seiner Statue gelangen wir auf den Markt, der aber mit seinen hektischen Marktschreiern und engen Gängen nicht einladend wirkt. Marion sucht sich 2 Saristoffe aus, gibt sie mitsamt dem Nähen in Auftrag.

Auf der Dachterrasse eines Lokals essen wir gemütlich zu Abend.

 


Donnerstag, 5. April

 

Wir fahren die ganze Nacht Aufzug – unser Zimmer liegt direkt daneben!

Da unser Hotel kein Frühstück bietet, gehen wir wieder zum Restaurant von gestern Abend, bei dem uns heute auffällt, dass es in 2 Abteilungen unterteilt ist: rechte Seite „Gents“, linke Seite „Ladies and Families“. Ein Scherz? Wir lassen uns nicht beirren, bestellen bei Gents süße Waffeln und Kaffee.

 

Mysore wird beherrscht vom zur Realität geworden Traum aus Tausendund einer Nacht, dem Maharadja-Palast, mitten im Zentrum plaziert, zeugt es von der Verschwendungssucht der damaligen Herrscher.

Schon von außen wirkt die Anlage gigantisch und im inneren erschlägt es uns fast. Leider ist fotografieren verboten. Prunkvolle Räume, edle Intarsien- und Marmorarbeiten zieren sowie filigrane holzgeschnitzte Türen zieren dieses Bauwerk.

Soviel Architektur macht hungrig und in Wilfrieds Restaurant – ebenfalls auf einer Dachterrasse – essen wir gut und preiswert.

 

Die im Norden der Stadt im neo-gotischen Stil gelegene St. Philomenas Kirche ist unser nächstes Ziel. Schon wieder Durst, werden wir in einem kleinen Liqueur-Shop von einem Schlepper zu „Grandfathers factory“ gelotst. Wir sollen natürlich Räucherstäbchen und Parfüm kaufen, sagt uns aber alles nicht zu. 2 Frauen in sitzender Haltung stellen täglich 8.000 – 9.000 Räucherstäbchen her, die später verschiedene Düfte erhalten.

 

Nach einem guten Kaffee pendeln wir dann am frühen Abend wieder zum Palast. Täglich zwischen 19.00 und 20.00 Uhr findet eine Sound- und Lightshow statt, an deren Ende der Palast für 2 Minuten ganz beleuchtet wird. Wir sitzen im Freilufttheater in der 1. Reihe, es wird dämmerig, dann dunkel und wir sind fasziniert obgleich dieses Lichtspektakels. Musikalisch in rasender Geschwindigkeit und höllischem Lärm wird Indiens Geschichte erzählt und ebenso wechseln die Lichtspots in rasender Geschwindigkeit. Wir sind fasziniert.

 

Freitag, 6. April

Bangalore, die 6 Mio. Einwohner-Hauptstadt von Karnataka und auch 6.größte Stadt Indiens ist schlichtweg nur ein Moloch. Einst das Zentrum der Computerindustrie, sind die heutigen Auswirkungen nur noch Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, ausufernder Verkehr (das merken wir bald), Lärm und Stromausfälle. Dennoch wird an allen Enden gebaut und die Stadt ist der zur Realität gewordene Traum der Mittelschicht. Das erkennen wir auch sofort an unserem Hotel, in dem täglich mehrere Tagungen und Meetings stattfinden.

 

Zunächst ist uns alles unsymphatisch, sooo chaotisch hatten wir es noch nirgends. Was sollen wir denn hier anfangen? Zunächst essen wir eine Kleinigkeit auf der gemütlichen Dachterrasse und laufen dann durch stinkenden und mörderischen Straßenverkehr zum Botanischen Garten, der ein wenig Ruhe und Grün verspricht. Wir standen etwas fassungslos am Straßenrand – wie sollen wir da rüberkommen?

 

Der Garten ist mit Moslems gut besucht, aber dennoch sehr ruhig und mit all seinen Pflanzen und Bäumen fast schon eine Augenweide. Wir begegnen 2 deutschen Mädels, die gerade das Abi hinter sich haben und hier ein caritatives Praktikum mit straffällig gewordenen Kindern absolvieren. Hut ab!

 

Da heute unser letzter gemeinsamer Abend ist, treffen wir uns alle auf der Dachterrasse, essen vorzüglich und genießen den letzten Abend.

 

 

 

Samstag, 7. April und

Sonntag, 8. April

So gut die Dachterrasse, so schwach das Frühstück. Wir kriegen jeder eine Tasse heißen Wassers, dazu ein Kännchen Kaffee-Sirup, von dem ein Fingerhut voll genügt, um die Tasse rabenschwarz werden zu lassen.

 

Wir wollen hier keinen Meter mehr dem Verkehr ausgesetzt sein, ein Tuc-Tuc bringt uns zum City-Market, der alles bisher da gewesene in den Schatten stellt. Vor dem Markt eine Art Prozession mit geschmückten Wagen, Tanzdarbietungen, Menschenmengen, Mengen von fliegenden Händlern, aber auch jede Menge Polizeipräsenz, was uns nicht unrecht ist.

 

Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinsehen bzw. hin knipsen sollen, es ist wie im Schnelldurchgang eines Films. Geschmückte Bananen werden verkauft, der größte Tempelwagen wird damit beworfen, dann fallen sie wieder auf die Straße und alles wird breit getreten. Selbstverständlich ziert weiterer Unrat die Straße und wir müssen Acht geben, nicht auszurutschen. Dieses unglaubliche Szenario kann man fotografisch gar nicht festhalten.

 

Im Marktgebäude das gleiche Spiel. Waren werden geholt, gebracht, Musik- und andere Lautsprecherdurchsagen erschallen in einer Lautstärke, die schon an Körperverletzung grenzt. Incredible India.

 

Kein Tuc-Tuc bringt uns zum Sultanspalast, als wir die wenigen hundert Meter dorthin laufen, wissen wir auch, warum. Es ist rentabler, Waren und Lasten zu transportieren.

 

Zwischen dem Markt und dem Palast liegt noch ein kleines Fort, innen eine Oase der Ruhe. Den Sultanspalast schenken wir uns dann, ist es hier wie fast überall in Indien.

Eintritt Inder: 5 Rupies

Eintritt Foreigners: 200 Rupies

Das muss heute nicht mehr sein.

 

Wir essen noch einmal gut und reichlich auf der Dachterrasse, fahren am Nachmittag zum neuen und modernen Flughafen, fliegen über Colombo nach Frankfurt und kommen am Sonntag, 8. April 2012 (Ostersonntag) um 8.30 Uhr morgens wohlbehalten und mit einem Koffer voll Impression wieder zurück.

Resümee:

 

Fahren Sie einmal nach Indien, gibt's nur 3 Parolen:

 

"Incredible India"

"Where you're from?"

"Inside more colors"

 

ABER

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