Diese Reise war Wahnsinn

 

Diese Reise war lecker

Am 11. April, Samstag, haben wir einen langen Fahrttag von ca. 8 - 10 Stunden und 470 km vor uns. Wir verlassen Saigon heute endgültig und unser nächstes Ziel heisst Nha Trang.

Zuerst ist die Landschaft flach, danach hügelig, wechselt, viele Drachenfruchtplantagen, es folgen karge Abschnitte, dann wieder fruchtbare Reisfelder.

An einem Strand legen wir einen Kaffeestop ein und ich habe meine Füsse zum ersten Mal im chinesischen Meer. Das Wasser lockt richtig, es hat Badewannentemperaturen.

Unterwegs sehen wir viele Kühe, Schafe, Ziegen und zwischen Phan Rang und Cam Ranh auch sehr viele Wasserbüffel. Wir zweigen nördlich von Cam Ranh von der N 1 ab und bis Nha Trang sind es noch ca. 30 km.

 

Auf der Strandpromenade tobt der Bär, aber es gibt sehr viele Baustellen, weil Hotels hier wie die Pilze aus dem Boden schiessen. Auch unser Hotel wird komplett um- und neu gebaut. Wir landen in einem sehr netten Restaurant. Für mich gibt es Hähnchen aus dem Wok, für Bill Tiger Prawns und mit 3 Bier sind wir mit 9,- Euro gut dabei.

Wir laufen ein Stück weiter, entdecken einen ganz erlesenen Laden mit Produkten aus Krokodil- und Straussenleder. Schuhe, Gürtel, Handtaschen, andere Taschen. Wir sehen eine rehbraune, herrlich geformte und gearbeitete Handtasche und für 3 Millionen ist sie mir. In einer Open-Bar nehmen wir noch einen Drink, dann geht's zurück ins Hotel.

 

Zuerst wollten wir bei schönem Wetter einen Strandtag einlegen, ändern aber unsere Pläne und machen einen Stadtrundgang, weil es ein wenig trüb ist.

Zuerst geht es an einer Kirche vorbei. Es ist ja Sonntag, und natürlich gibt es einen Gottesdienst. Weiter geht es zur Pagode Chua Long Son. 1886 gegründet, aber mehrfach umgebaut. 152 Stufen führen hinauf zu einer 14 m hohen, weissen, weithin sichtbaren Buddhastatue. Unten in der Pagode sind die fliegenden Händler sehr sehr nervig, meist Kinder und Jugendliche. Alle wollen Postkarten, Fächer und Räucherstäbchen verkaufen. „Madame, Madame.....". Jugendlich in blauen Hemden verkaufen angeblich etwas zugunsten einer Schule, die mit dem Verkauf der Waren mit finanziert wird. Also lassen wir uns breitschlagen und kaufen hier Postkarten, die es sonst in Vietnam kaum gibt und wenn, dann sind sie richtig groß und sollen immer 1 $ das Stück kosten. Zwischen Pagode und sitzendem Buddha gibt es noch einen liegenden Buddha.

 

Inzwischen ist es so heiss geworden, mein Gesicht ist schweissnass. Kein Wunder, daß mir alle einen Fächer verkaufen wollen.


Weiter führt uns der Weg zum Markt Cho Dam, aber hier ist jede Strasse wie Markt. Von Sonntag keine Spur. Der Markt zeichnet sich am Anfang durch getrockneten Fisch aus. Davor trinken wir in einem der Millionen Garküchen mit kleinen Kindergartenstühlchen ein Bier und sie verlangt 30.000,- Dong pro Bier. Das ist das teuerste Bier, das wir in Vietnam getrunken haben, selbst im Spitzenhotel hat es nur 18.000,- gekostet. Na ja, abgezockt - wir ärgern uns nicht.

 

Die Einkaufsstrasse Thon Nhat entlang hatten wir immer mal nach Speicherchips für die Kamera geguckt, aber keinen passenden gefunden. Dadurch sind uns aber die entsprechenden Läden, auch Optikerläden, aufgefallen. Kurz vor dem Markt ist ein schönes Optikergeschäft und hier findet Wolfgang eine rasante Sonnenbrille. Auch ich schaue mich um, stelle fest, sie haben sehr schöne Gestelle und siehe da, die Frau im Geschäft, sagt mir zu, wenn ich eine Brille haben möchte, sie heute noch anzufertigen.
Es ist 11.30 Uhr und um 16.00 Uhr könnte ich sie abholen. Jetzt wird aber aufprobiert ! Schliesslich finde ich eine normale und eine Sonnenbrille und zahle für beide, mit optischen Gläsern versteht sich, 50,- Euro. Das ist ein Schnäppchen.

 

Euphorisch gehen wir dann zum Markt erstehen ein Päckchen Safran und 2 Satz Teller. Natürlich, Blickkontakt bedeutet: „Madame, Madame, we have many color". 2 Satz Teller à 3 Stück gefallen uns gut, auch hier hat man selbstverständlich wieder many color. Der Sohn der Verkäuferin schleppt uns dann durch den halben Markt, als ich ihm sage, dass ich Hose und Oberteil suche. Bei seinen ausgewählten Ständen muss ich probieren: „Madame, Madame, we have many color". Es ist mir alles lästig, um übrigen sagt mir auch nichts zu bzw. passt nichts. Nichts für europäische Oberweiten.

 

Weiter laufen wir zu dem kleinen Hafen an der Brücke, wo es auch noch die schwimmenden Körbe zu sehen gibt und tatsächlich rudern einige Leute darin herum. Überall wird Fisch getrocknet, dazwischen die Netze geflickt, Boote bearbeitet, eine total andere Welt.

Den ganzen Strand entlang laufen wir dann zurück. Das Wasser badewannenwarm, die Sonne brennt und rot wie die Krebse kommen wir ins Hotel zurück. Eine Runde schwimmen und ein Stündchen Ruhen am Pool gönnen wir uns, schließlich müssen wir ja erneut los, um die Brillen zu holen. Kurz nach 17.00 Uhr sind wir da - fertig - hat perfekt geklappt - sie sitzen prima.

Abends gehen wir mit der ganzen Gruppe in ein Lokal - Wolfgang und ich würden dort alleine niemals hingehen - es ist klasse. Ein kleiner Holzkohlengrill kommt auf den Tisch, darauf grillen wir Schweine- und Rindfleischstückchen, Tintenfisch, Riesengarneelen. Dazu gibt es Gemüse, Wasserspinat und natürlich Unmengen von Reis.

 

Heute geht es weiter. Gleich nach der Stadt bzw. am Stadtrand besichtigen wir die Cham-Türme. Auf einer Anhöhe über dem Fluss ist die Tempelgruppe Po Nagar errichtet. Die Cham sind Nachfahren von Völkern, die einst mehr als die Hälfte des heutigen Vietnams beherrschten. Die Tempelanlagen der Cham wurden erst Anfang des 20. Jh. Von französischen Archäologen entdeckt. Von einstmals 300 Heiligtümern sind durch die nachfolgenden Kriege ca. 100 übrig geblieben. Cham-Türme sind rote Ziegeltürme, die auf Anhöhen unvermittelt aus der Landschaft ragen. Ziemlich monumental stellen sie sich in Kontrast zur natürlichen Umwelt.

Hinter der Stadt Fischfanganlagen für Lobster, die in Körben mit Gestänge gefangen werden. Zunächst geht es an der Küstenstrasse entlang, links Berge, rechts das Meer, im Hintergrund Inseln, sehr schöne Landschaft.

 

Luc erzählt ein wenig aus dem täglichen Leben. Früher war es wichtig, männliche Nachkommen zu haben, Mädchen waren eher weniger wichtig, das hat sich bis zum amerikanischen Vietnam-Krieg so gehalten. Erst nach und nach kehrt der Fortschritt ein, studieren kann heute jeder, nur Sex vor der Ehe ist nach wie vor tabu (offiziell). Geheiratet wird zuhause, nur Christen heiraten in der Kirche, traditionell trägt die Braut den Ao Dai in roter Farbe, gefeiert wird dann im Hotel, meist aber nur wenige Stunden (selbst mehrfach gesehen). Wer nicht im Hotel feiern kann, feiert in geschmückten Unterständen, die extra für Hochzeitsfeiern da sind. Die Feier selbst wird von den Geschenken bezahlt, d.h. wie bei uns auch, Geld ist am willkommensten. Eine Hochzeitsreise ist normal, danach lebt man bei den Eltern, spart für ein Haus. Bleibt die Ehe kinderlos, wird sie oft geschieden. Man teilt sich alles, zahlt die Hälfte und aus. Adoptionen sind möglich, jedoch kaum vorgenommen, Homosexualität erlaubt.

 

Die Reise geht weiter durch bewaldete Berge, Reisfelder und unzählige Palmen.
Mittags machen wir für 2 Std. Pause am Strand. Wir gehen sofort ins Meer. Herrlich warm, ganz feiner Sandstrand, man läuft sehr weit hinaus, bis es tief wird und man schwimmen kann. Km-weit wird der Reis auf der Strasse getrocknet, wird fahren über einen kleinen Pass, überall wieder Reisfelder und Berge, durchsetzt mit runden Felsformationen, wie auf Sardinien oder den Seychellen. Alle 50 - 60 km kommt eine Mautstelle und wir müssen bezahlen. Später sieht man wieder viele Bananen, Agaven und Kakteen. Über das ganze Land verstreut liegen Soldatenfriedhöfe, alle Häuser haben die Breite von Garagen, sind oft auch mit Türen wie Garagentore versehen, ältere mit Eisentoren, neuere Häuser oft aus Holz und Glas.

Zwischen Chi Thanh und Song Cau besichtigen wir eine Fabrik zur Herstellung von Fischsauce. Es ist brütend heiss, der Geruch ziemlich heftig, ich besichtige daher gar nichts ausser dem Wohnzimmer.

Qui Nhon ist eine bescheidenere Ausgabe von Nha Trang. Das Hotel ist jedoch sehr schön und unser Zimmer im 7. Stock ist das erste mit Blick zum Strand. Tolle Sicht, kleiner netter Balkon, besonders als es dunkel ist, sieht es gut aus. Wir stürzen uns sofort ins herrlich warme Meer, jedoch sind uns die Wellen zu hoch, schwimmen ist nicht möglich. Wir wechseln daher in den kleinen Pool, aber der wiederum ist uns zu kühl. Wir hüllen uns in die kuscheligen Frotteebademäntel, die im Schrank hängen, trinken ein Bierchen.

 

Danach ziehen wir uns um, laufen die Strandpromenade entlang. Genau wie in Nha Trang füllt sich der Strand am Spätnachmittag und auch die Promenade ist von jung und alt bevölkert. Es wird Ball gespielt, geflirtet, gequatscht, viele haben Tisch und Stühlchen mitgebracht, man geniesst einfach den Feierabend. Ganz viele Jugendlich grüssen freundlich und eine geraume Zeit unterhalten wir uns mit einem jungen Mann, der hier studiert.

 

 

Heute besteht die Landschaft zunächst nur aus Dörfern und Reisfeldern, wir überqueren immer wieder kleine Kanäle.

 

Schulstunde mit Luc: heute geht es um das Gesundheitswesen. Im Prinzip wird es wie bei uns gehandhabt, nur haben in Vietnam nur ca. 20 % der Bevölkerung eine Krankenversicherung und die dedizinische Versorgung auf dem Land kann man noch als unzureichend betrachten. Altenheime sind wenig verbreitet, Alte werden von den Jungen mitversorgt.

 

Wir halten, um an der Herstellung der Reisfladen zuzusehen. Diese hier bestehen aus Kokos, Tapioka, Sesam und Pfeffer. Nebenan werden Garben gebunden zur Mattenherstellung.

 

Unweit von hier die Massaker-Stätte My Lai Im März 1968 marschierten Soldaten der amerikanischen Armee in My Lai ein, massakrierten mehr als 500 meist wehrlose Frauen und Kinder. My Lai machte Schlagzeilen in der Weltpresse, als ein „Verräter" in USA ausplauderte, was passiert ist. Ein kleines beeindruckendes Museum sowie ein Mahnmal erinnern an die Greueltaten.

Bis Hoi An sind es noch 60 km.