Aktuelles

 

Es war bunt und fremdländisch

INDIEN - Nord

und

INDIEN - Süd

 

 

Bald starten wir wieder

Bleibt dran!

Baltikum 

 

Polen – Litauen –

 

Lettland


10. Juni – 2. Juli 2005

Vorbereitung:    Eingehendes Studium verschiedener Reiseberichte aus dem Internet

                       Bücher:            Marco Polo Reiseführer Baltikum

                                              Nelles Guide, Baltikum

                        Karten:             Polen 1 : 750 000

                                               Baltische Staaten 1 : 600 000 von Freytag & Berndt

                                               Litauen 1 : 400 000 (vor Ort gekauft)

                                               Lettland 1 : 500 000 (vor Ort gekauft)

                       Papiere:            Euro-Heimtierausweis für den Hund, Reisepässe

 

Währung:          Erstellen einer Währungsliste für alle 3 Länder in Euro und der
jeweiligen Landeswährung (sehr hilfreich)

 

Freitag, 10. Juni 2005 - 1. Tag und

Samstag, 11. Juni 2005 - 2. Tag

 

Wolfgang kommt pünktlich um 10.00 Uhr aus dem Büro, ich habe noch die letzten    Vorbereitungen getroffen.

 

Unser heutiges Ziel, Bad Saarow, liegt ziemlich nahe bei Frankfurt/Oder und gemäß einem Routenplaner sind es genau 600 km.

Ein Navigationssystem besitzen wir nicht, jedenfalls nicht im Womo. Bad Saarow deshalb, weil ich so ziemlich alle Stellplatztipps sammele und vor einigen Jahren brachte eine einschlägige Womo-Zeitschrift „Stellplätze nahe der Autobahn“ heraus und hier

soll es einen Wanderparkplatz geben.

Um genau 18.00 Uhr erreichen wir nach staufreier Fahrt unseren Zielort. Angenehm überrascht sehen wir am Ortseingang ein Womo-Piktogramm und steuern natürlich gleich darauf zu. Die Gemeinde bietet in einer ganz ganz ruhigen Seitenstraße direkt im Wald ca. 6 Parkplätze als Womo-Plätze an, jedoch ohne V+E, dafür aber kostenlos. Sogleich wie immer nach einer längeren Fahrt ist als erstes unser Hund, ein Sibirian Husky mit Namen Socke, an der Reihe. Gassi hier im Wald kein Problem. Auch ängstliche Naturen können hier nächtigen, es gibt natürlich auch ein paar Häuser in der Straße. Es folgt dann ein ausgiebiger Spaziergang durch den Ort, der, weil es ein Bad ist, auch sehr schön angelegt ist und wunderschöne alte Villen besitzt. Ein Kurpark führt direkt am Scharmützelsee entlang. Relikte der ehemaligen Regierung findet man natürlich auch noch, wo wollen sie auch hin mit ihren Plattenbauten. Dennoch ist der Ort gefällig und die Restaurants nicht billig.

Zurück am Womo erhalten wir Besuch eines Gemeindebediensteten, der uns alles Wissens- und Sehenswerte erklären will, einen Prospekt aber jedoch wegen der Kürze des Aufenthaltes nicht herausgibt. Seine privat geführte Statistik sagt aus, dass wir in diesem Jahr das 48. Wohnmobil in Bad Saarow sind. Da es inzwischen gute Abendbrotzeit ist, verabschieden wir ihn dann recht bald und wenden uns endlich den leiblichen Genüssen zu, zu denen auch das wohlschmeckende Bier gehört.

 

Beim Spaziergang gestern haben wir unweit des Stellplatzes eine Bäckerei entdeckt und so kann der Tag mit frischen Brötchen beginnen.

Um 09.00 Uhr sind wir bei 10 Grad und vielen Wolken startklar und die wenigen km bis zur deutsch-polnischen Grenze sind schnell hinter uns gebracht. Die LKW Schlange beträgt mehrere km, jedoch sind nur wenige PKW’s unterwegs und innerhalbeiner Viertelstunde sind wir durch.

Es verspricht doch noch ein schöner Tag zu werden, was natürlich die Fahrt viel angenehmer macht. Bereits nach wenigen km in Polen endet die gute Ausbaustraße und jetzt ist der Straßenbelag halt nicht mehr ganz so einwandfrei. Dies wird sich im Laufe

unserer Fahrt durch Polen und auch auf dem Rückweg nicht ändern, mal mehr, mal weniger holprig und nur bei ganz extrem gutem oder schlechtem Zustand werde ich dies noch erwähnen.

Jetzt geht’s in Richtung Posen. Ca. 30 – 40 km nach der Grenze werden am Straßenrand Stände mit Holz- und Korbwaren und Figuren aller Art für den Garten angepriesen. Das wollen wir uns für die Rückfahrt merken, brauchen wir doch einen Korb für unser Kaminholz und Mutter ein Lämmchen für den Garten.

Kurz vor Poznan gibt es sogar 50 km Autobahn, natürlich gebührenpflichtig, wir zahlen 18 Sloty. Geht problemlos mit Kreditkarte, denn Geld haben wir noch nicht getauscht. In einem kleinen Dorf bei Podbiedziska halten wir Mittagsrast. Obgleich der Parkplatz

 unweit der Hauptstrasse liegt (sonst hätten wir ihn nicht gesehen), ist es sehr idyllisch hier, denn ein See schliesst an den Parkplatz an, mit Rundweg für’s Gassigehen und sogar einem Badestrand. Leider zu früh, um hier zubleiben. In Gniezno steuern wir dann ein riesiges Supermarktzentrum an in der Hoffnung auf einen Bankomat. Fehlanzeige – kein Geld, kein Einkauf.

Irgendwo in einem größeren Dorf werden wir dann doch fündig, Bankomat mit Parkplatz direkt davor.

Weiter geht es über Bydgoscz nach Grudziadz. Allmählich hat sich die Landschaft verändert, inzwischen sehen wir viele Wiesen, kleine Dörfer, ziemlich ländlich und weit, jeder hat hier viel, viel Platz. Grudziadz weist einen „Lidl“ aus, der aber außer Krakauer

Wurst keine neuen Erkenntnisse bringt. Inzwischen ist es Nachmittag, allmählich Zeit, uns einen Übernachtungsplatz zu suchen.

Bis Llawa finden wir jedoch nichts, aber hier steuern wir einen bewachten, ruhigen Parkplatz an, der 25,- Sloty kostet. Wir haben zwar einen Blick auf den See, aber einen Zaun dazwischen, na egal, hier stehen wir gut.

Nach ein paar köstlichen Lachsnudeln begeben wir uns auf die Pirsch in den Ort. Am See entlang durch einen kleinen Park gelangen wir zu einer sehr schönen Strandpromenade mit angrenzendem Amfitheater. Ein Streichorchester spielt Weisen von Beethoven. Einige Zeit hören wir zu, dann verlangen unsere durstigen Kehlen nach polnischem Bier. Eine kleine Kneipe direkt an der Strandpromenade ist genau richtig. Obwohl es jetzt am Abend empfindlich kühl ist, schmeckt das Bier herrlich.

Auf dem Weg zurück hat sich das Streichorchester in eine Rockband verwandelt (nein, wir sind nicht betrunken!). Das ist natürlich was für Bill. So bleiben wir hier dann auch noch ein Weilchen, Socke und ich sind nicht ganz so enthusiastisch und rocken nicht verrückt herum, dafür frieren wir dann auch eher und gehen nach einem richtig schönen Abend gutgelaunt zum Womo zurück.

 

Sonntag, 12. Juni 2005 - 3. Tag

 

Kopfweh (klar, das Bier), um 3.30 Uhr aufgestanden, Tablette genommen, habe aber dennoch keine Ruhe. Schnarchen vom Liebsten, gegen 5.00 Uhr lässt ein Bus seinen Motor an, fährt weg, Hundegebell, frühmorgendliche Gespräche, etc. etc. Wer saufen kann, kann auch joggen, also joggen wir um den See herum, frühstücken gemütlich und laufen dann mit Socke noch einmal anders herum um den See.

Das Wetter ist wechselhaft, auf der Weiterfahrt regnet es heftig. In Olsztyn, früher Allenstein, legen wir einen Halt ein. Die Altstadt  ist zwar klein, dafür die Peripherie mit Zufahrtsstraßen umso weitläufiger. Parkplatzsuche daher schwierig, aber wir landen auf einem Busparkplatz und fühlen uns relativ sicher.

Der Weg zur wirklich sehenswerten historischen Altstadt ist nicht weit. Zunächst richte ich mein besonderes Augenmerk auf einen  Stand mit Strohhüten. Der blaue steht mir gut, nicht ? Die nette Dame vom Stand nebenan spricht deutsch und empfiehlt uns ein

 Restaurant zum Mittagessen. Meine Piroggen (süße Teigtaschen) waren köstlich, Bills Maultaschen eher leicht Knobi-verseucht.

 

Alleinstein
Alleinstein
Allenstein
Allenstein
Marktstand in Allenstein
Marktstand in Allenstein

Unser nächstes Ziel heißt „Swieta Lipka“, „Heilige Linde“, die berühmte Wallfahrtskirche. Es regnet immer noch, als wir hier ankommen. Schade! Es gibt einen großen P, kostenpflichtig, aber hier könnte man auch übernachten. Einen Wasserhahn mit spärlich fließendem Wasser ist ebenfalls vorhanden. Aber es ist noch zu früh.

Den Haupteingang ziert das Grüne Tor und eine so schön gearbeitete Orgel habe ich noch nie im Leben gesehen. Einfach faszinierend, aber das sind Kirchenorgeln für mich fast immer. Diese jedoch ist ein besonderes Exemplar. Es wird von einem der Kirchenaufseher auch in deutsch durchgesagt, dass gleich ein Orgelkonzert stattfindet. Zunächst glaube ich an eine CD oder Kassette, aber in der Tat sitzt ein Organist dort oben und spielt, man könnte Tränen kriegen vor Ergreifung. Bach, Schumann, moderne Stücke, er holt alles, was die Orgel hergibt, aus ihr heraus und dazu bewegen sich die geschnitzten Figuren auf der Orgel. Ich habe einfach nur eine Gänsehaut vor Bewunderung an so ein Können, Orgelmusik in höchster Perfektion.

 

Wallfahrtskirche Heilige Linde
Wallfahrtskirche Heilige Linde
Heilige Linde
Heilige Linde

Bei einem der Souvenirläden erstehe ich einen Einkaufskorb und nach einer guten halben Stunde Fahrt erreichen wir die Wolfsschanze gegen ca. 18.00 Uhr. Es ist ein bewachtes Gelände, d.h. man kann nur hinein, wenn man bezahlt hat und die Frage nach einer Übernachtung hier wird bejaht, neben dem P gibt es auch eine bewaldete Wiese, wo einige Zelte stehen.

Der Preis für Eintritt und Übernachtung beträgt .ca. 12,- Euro. Natürlich kommt gleich eine Frau, will uns eine Führung anbieten, aber dies verschieben wir auf morgen früh und taten auch gut daran, denn in diesem dichten Wald hätten wir in der Abenddämmerung eh nichts rechtes gesehen. In Gesellschaft eines holländischen Womos stehen wir sicher und ganz ganz ruhig.

 

Montag, 13. Juni 2005 - 4. Tag

 

Wir verbrachten eine ganz ruhige Nacht und joggen am Morgen durch Hitlers Prachtanlagen.

Später führt uns für 50,- Sloty ein kundiger Führer durch den Wald und zu den wichtigsten Bunkern.                                                               

Ein Modell ist aufgebaut und anhand von Fotos erhält man eine gute Vorstellung, wie es damals vor über 60 Jahren gewesen ist. Das Wort „Schanze“ ist hier ziemlich treffend, man hat sich hinter meterdicken Betonwänden „verschanzt“. Gut, dies einmal

gesehen zu haben, sonst bleibt es unvorstellbar.

Anvisiert ist Mragowo, ein zwar ganz nettes Städtchen voller Leben und Geschäfte, aber der Platz sagt uns nicht so recht zu, sodaß wir bis Mikolajki weiterfahren. Hier gibt es einen Womo Platz, den wir Dank des Schultz-Buches, das wir vorsichtshalber

mit uns führen, sofort finden. Wo kommen bloß all die deutschen Womos her ? Der Platz ist zwar nicht direkt am See, aber für 20,- Sloty gefällt er uns ganz gut. Wir laufen durch den Ort, der von 2 Seen eingeschlossen ist, ziemlich touristisch wirkt, es gibt sehr viele Restaurants, Kneipchen, Cafés, Ausflugsschiffe. Sogar ein Bus aus unserer Heimatstadt rollt an (gut, dass wir niemand kennen!). Das ganze Städtchen macht einen ganz neuen Eindruck, die Speisekarten sind in deutsch gedruckt, sind wir wirklich in Polen ?

Zurück am Platz sonnen wir uns noch ein bisschen und lassen uns dann zum Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant eine Maräne gut schmecken. Maränen kennen wir schon aus unserem letztjährigen Urlaub von Mecklenburg-Vorpommern.

Später holen wir uns an einem Räucherstand noch geräucherte Maränen für morgen Mittag. Den Tag beschließen wir bei einem guten Bier auf der Terrasse eines anderen Restaurants.

Dienstag, 14. Juni 2005 - 5. Tag

 

Den Tag beginnen wir mit Brötchen aus dem nahegelegenen Supermarkt, der zwar klein, aber gut bestückt ist. Gegen 9.00 Uhr kommen wir weg.

Über Elk und Augustow (ca. 95 km) und bis dahin ist die Straße die reinste Katastrophe, kommen wir nach Suwalki und kurz darauf an die polnisch-litauische Grenze. Nur ganz wenige Autos stehen dort und wir werden sofort abgefertigt.

Der Versuch, Geld anhand eines Bankomaten zu erhalten, scheitert. So tauschen wir Euro gegen Litas. Während ich warte, wollen ca. 10 Jugendliche freundlich die Autoscheibe waschen, was ich aber energisch ablehne, da sie mit einem Spezialmittel zuhause behandelt wurde. Schwer sind die alle loszuwerden, was uns im Verlauf der Reise noch öfter so gegangen ist.

Freudig wollen wir in der Mittagspause auf einem Rastplatz unseren Räucherfisch vertilgen, der aber so scheußlich schmeckt, dass er in den Müll wandert. In Litauen sind die Straßen das reinste Vergnügen und ruck-zuck sind wir in Kalvarija und zweigen ab

auf die Straße 200, die uns ca. 30 km schnurgerade durch landwirtschaftliches Gebiet nach Vistytis zum gleichnamigen See bringt. Ganz nah sind wir jetzt am Kaliningrader Gebiet, die Mitte des Sees bildet die Grenze nach Russland.

Wir fahren ein Stück am See entlang, um einen Stellplatz zu finden. Wir sichten eine Wiese, an deren Ende man sehr gut parken kann. Bill läuft den Weg ab – optimal, wir kommen hin und nach ca. 200 m Holperweg stehen wir fast am Wasser.Schlichtweg

paradiesisch – nach 10 Min. hat die Herrlichkeit ein Ende. Es nähert sich ein Auto, das verdächtig nach Amtsperson aussieht. Die Verständigung klappt prima (Handzeichen), er schickt uns nicht weg, macht uns nur deutlich, dass es Pflicht ist, 15 m vom Wasser entfernt zu parken und die Zufahrt für Boote freizuhalten. Diesen Gefallen tun wir ihm gerne und nachdem er sich vergewissert hat, dass alles seine Ordnung hat, fährt er wieder.

Bill ist todesmutig und badet im See, ich später dann auch, aber er ist eiskalt. Der Rest des Tages vergeht mit Sonnen und Lesen, einige Angler kommen gegen Abend, um 18.30 Uhr ist immer noch herrlicher Sonnenschein und wenig später grillen wir gemütlich Würstchen.

 

Mittwoch, 15. Juni 2005 - 6. Tag

 

Um 3.00 Uhr morgens ist es schon hell und um 4.00 Uhr scheint bereits die Sonne. Ziemlich ungewöhnlich. Es beginnt ein wunderschöner Sommertag.

Wir joggen die Straße entlang, hier fahren ja kaum Autos, es ist auch eine absolute Nebenstraße und springen dann in den See.

Das erfrischt und bringt den Kreislauf zusätzlich in Schwung. Es ist so wunderbar ländlich und idyllisch, wir kriegen uns vor lauter Schwärmen kaum ein. Natürlich frühstücken wir draußen auf der Wiese, außer uns sind nur 2 Anglerautos da. Mit dem Roller fahren

wir die ca. 7 km nach Vistytis, erwarten vom Dorf nichts und werden auch nicht enttäuscht. Immerhin gibt es 2 Lebensmittelgeschäfte, die diesen Namen aber nicht verdienen, wir kriegen unser Brot, aber vorwiegend wird morgens gegen 10.00 Uhr schon Bier verkauft. Daß es sofort verzehrt wird, kann man an den Pappbechern erkennen, in denen es abgefüllt ist.

Zurück am Womo ist sonnen angesagt und dies kann man hier völlig ungestört nackt tun. Es kommt  ein Grenzschutzbeauftragter (ein anderer als gestern), immerhin sind wir ganz dicht an Russland, klärt uns in ganz holprigem Englisch auf, dass man IMMER

15 m vom See entfernt bleiben muß, nicht nur hier an diesem speziellen Grenzsee.

Das Brot ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig und das ganze Brot in Litauen und Lettland wird diesen Geschmack aufweisen, mir schmeckt es jedoch gut, denn es ist leicht süss, aber mit Kümmel gewürzt und dies ist eine eigenartige Mischung (kein Untergrund für Gelee oder Marmelade).

Das Highlight am Nachmittag ist ein Bauer mit Pferdefuhrwerk, der mitsamt dem Karren in den See fährt, an einer anderen Stelle wieder heraus, vor uns stehen bleibt und uns einen endlosen Vortrag hält. Meinem hilflosen Schulterzucken müsste er eigentlich entnehmen, dass ich rein gar nichts verstehe, das lässt er aber nicht gelten und erst als Bill vor ihm salutiert, grüßt er ebenfalls, auf grund seines Alters nicht mehr ganz militärisch korrekt und dann fährt er wieder. Weiter oben wird eine Kuh per Hand gemolken, für uns schon Erinnerungen aus der Kindheit.

Bauer beim Melken
Bauer beim Melken
Pferdefuhrwerk - Kindheitserinnerungen
Pferdefuhrwerk - Kindheitserinnerungen

Donnerstag, 16. Juni 2005 - 7. Tag

 

In der Nacht zieht ein fürchterliches Gewitter auf und gegen 1.30 Uhr fahren wir, weil wir sonst vielleicht den holprigen Wiesenweg, der ein bisschen bergauf geht, nicht schaffen, da wir nicht wissen, wie der Untergrund beschaffen ist. So geht’s also mitten in der Nacht auf den Ortsparkplatz von Vistytis (gut, dass wir gestern eine Rundtour gemacht und diesen Parkplatz entdeckt haben).

Gegen morgen verzieht sich das Gewitter, wir joggen noch bei den letzten Regentropfen, aber der Tag wird wieder wunderschön.

Auf guten Straßen fahren wir durch Wälder und Felder immer an der russischen Enklave Kalinengrad entlang. Die Landschaft ändert sich nicht richtig, ist aber auch nicht gleichbleibend. Die Beschilderung ist gut, wir kommen zügig voran.

 

Unterwegs
Unterwegs
Unterwegs
Unterwegs

Um 15.00 Uhr erreichen wir Klaipeda, steuern zuerst den Maxima-Supermarkt an, der aber erst nach langer Sucherei zu finden ist. Positiv erweist sich auch hier wieder, dass alle Ausfallstrassen 4-spurig sind und so ist das Wenden wenig problematisch. Klaipeda erweist sich als richtige Großstadt und als wir dann den Supermarkt gefunden und die Einkäufe getätigt haben, ist es für eine Stadtbesichtigung bereits ein wenig spät. Die Suche nach dem Fährhafen geht auch nicht ohne mehrmaliges Wenden und Fragen vonstatten, aber dann bezahlen wir für die 10-minütige Überfahrt den stolzen Preis von 111,50 Ltas, also schlappe 32,- Euro und für den Eintritt in den Nationalpark Kurische Nehrung nochmal 30,- Ltas (10,- Euro). In Juodkrante machen wir halt, weil ein schöner Parkplatz an der dem Land zugeneigten Seite sich prima zum Übernachten eignet. Der Ort macht einen sehr gepflegten Eindruck, hat eine schöne Grünanlage und ein paar sehr nette Häuser ebenfalls an der Landseite der Nehrung. Die Zeit rast wie im Fluge und als wir endlich zum Abendessen kommen, ist es schon wieder weit nach 19.00 Uhr. Das Wetter war wieder traumhaft heute.

 

Freitag, 17. Juni 2005 - 8. Tag

 

Heute morgen joggen wir die Strandpromenade entlang und noch ein Stück den holprigen Fahrradweg. Beim Frühstück fängt es an zu tröpfeln, regnet sich aber Gott sei Dank nicht ein. Wir laufen später auf den Hexenberg, einer kleinen Erhebung, die durch den Wald führt und auf dessen Weg über 100 geschnitzte Figuren aus litauischen Märchen zu finden sind. Natürlich kennen wir nicht ein einziges, aber die Figuren sind weitgehenst sehr exakt und filigran geschnitzt, so dass sich das Bewundern auf jeden Fall lohnt.  Von der Ostsee ist nichts zu sehen oder zu hören, der Weg führt einzig durch den Wald und beim Versuch, auf kleinen Pfaden die See zu erreichen, kann man sich höchstens verlaufen. In Juodkrante endet der Weg dann auch wieder. Innerhalb weniger Stunden ist alles erkundet und weil wir unseren Urlaub nicht auf einem Parkplatz verbringen wollen, geht’s bald darauf weiter.

 

Auf der Fahrt erkunden wir die Gegend, es gibt jedoch nur diese eine Straße, bei deren Aussichtspunkten wir auch jeweils Halt machen. Aber alles nichts zum längeren Verweilen. Gegenüber der Ortszufahrt nach Prevelka führt auch eine Stichstraße

zur Ostsee und endet bei einem großen Parkplatz, der Sonne, Schatten und eine Strandbar bietet. Herz, was willst du mehr ? Hier bleiben wir!

 Direkt am Meer ist es natürlich entsprechend frisch. Wir sonnen uns dennoch ein bisschen, holen den Roller herunter und düsen die wenigen km nach Prevelka und Preila. Beides sind nur reine Urlaubsorte mit Ferienhäusern. Wir entdecken noch einige  Parkplätze, aber unserer ist der Schönste. Die 14 km nach Nida schaffen wir auch noch und so erhalten wir gleich einen Eindruck von dem bekanntesten Ort der Nehrung.

Zurück am Womo genehmigen wir uns im Zelt bei der Bude (na ja, Strandbar ist schon ein wenig übertrieben) noch ein Bier, das ja wirklich sehr gut schmeck und ein frittiertes Gebäck, das es sowohl mit Fleisch als auch mit Käse gefüllt gibt und ähnlich wie Llangos (das ungarische Fettgebäck) schmeckt. Käse ist klar der Favorit. Bei Rindersteaks aus der Pfanne lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

 

Samstag, 18. Juni 2005 - 9. Tag

 

Nachdem wir gestern schon einen Parkplatz kurz vor Nida entdeckt haben und wir dringend Wasser benötigen, müssen wir mit Felix los. Am P schnallen wir den Roller ab, fahren die paar km ins Ort und laufen dann zu Fuß weiter. Zuerst sehen wir uns die evangelische Kirche auf dem Hügel an, der nebenanliegende Friedhof hat eine herrliche Lage und birgt viele Deutsche. Die Gräber sind alle mit eigenartig geformten Holzkreuzen versehen und eine Gruppe junger Maler versucht sich meist in Kohle, diese Holzkreuze zu malen.

Der Ort selbst liegt am Haff, wunderschön weitläufig gebaut und die vielen liebevoll bemalten Holzhäuser sehen so idyllisch aus, dass man gleich eins kaufen möchte. Dass wir heute noch eine Besichtigungstour machen könnten, hätte auch keiner gedacht, denn es hat die ganze Nacht wolkenbruchartig geregnet , selbst noch heute morgen um 7.00 Uhr als wir joggen wollten. Jetzt ist es wieder schön, aber der Wind bläst kalt. In Nida erstehen wir ein einem Souvenirlädchen als Windlicht aus schwarzer Keramik, ganz zierliche Locharbeiten sind hineingearbeitet. Wir sehen uns den Ort an, laufen am Haff entlang zur großen Düne. Man darf sich jedoch nur auf vorgeschriebenen Wegen bewegen. Oben auf der Düne hat man wirklich ein bisschen „Sahara-Feeling“. Aber sooo imposant, wie es in den Reiseführern und Prospekten beschrieben, ist es dann doch wieder nicht.

 

Zurück im Ort suchen wir uns ein windgeschütztes Restaurant (wer die Wahl hat, hat die Qual) und essen beide einen guten Fisch mit in Fett gebackenen Teig-/Fleischröllchen.

An der einzigen Tankstelle auf der Kurischen Nehrung fragen wir nach Frischwasser, kriegen selbiges für 6,- Ltas, aber es entpuppt sich später als leicht-braun. Seit Monaten dürfte der Frischwasserschlauch nicht mehr in Betrieb gewesen sein.

Den Nachmittag verbringen wir in Decken eingepackt vor dem Womo, denn der Wind ist immer noch eisig, wenngleich auch die Sonne scheint. Im Zelt wird der frühe Abend mit einem Bier eingeläutet, und da es nur 2 Sorten gibt, haben wir bald das „Grand“ Bier zu unserem Favoriten gemacht.

Sonntag, 19. Juni 2005 - 10. Tag und

Montag, 20. Juni 2005 - 11. Tag

 

Eine ruhige Nacht ohne Regen oder sonstige Störungen. Strahlender Himmel, als wir wie jeden Tag um 7.00 Uhr zum Joggen aufstehen. Die Sonne geht hier erst nach 21.00 Uhr unter und bereits kurz nach 4.00 Uhr morgens wieder auf. Es sind von der Dunkelheit her kurze Nächte.

Der Fußweg nach Prevelka, den wir uns für heute morgen vorgenommen haben, führt durch Kiefern, Eichen- und Birkenwald und lässt sich sehr schön laufen. Prevelka, wie bereits unser 1. Eindruck auf dem Roller gezeigt hat, ist ein kleiner, ruhiger beschaulicher Urlaubsort, der außer Ruhe absolut nichts bietet.

Zurück am Womo verziehe ich mich in eine Sandmulde auf den Dünen, wo es herrlich windgeschützt ist und die Sonne wärmend scheint. Am Strand findet man wenig Menschen, alle haben sich in solche Mulden zurückgezogen und man könnte meinen,

Menschen sitzen in großen Osternestern. Auch den Nachmittag verbringe ich in einer Mulde, diesmal unweit vom Womo, denn sie ist gerade frei geworden. Ein langer langer Strandspaziergang (haben wir gestern auch gemacht) schließt sich ans Sonnen an und dann suchen wir Bernstein, finden aber nur ein paar gelbe Steinbrocken. Sand vom Strand nehme ich natürlich für Deko-Zwecke mit. Er ist so fein wie Vogelsand.

Sand macht durstig, die Zeit ist gekommen, ein „Grand“ zu trinken und mit dem frittierten Gebäck ein echter Genuss und Appetizer.

 

Heute heisst es nun Abschied nehmen von der Nehrung, schliesslich wollen wir noch mehr sehen und die Zeit eilt. Bei herrlichem Wetter steuern wir zunächst wieder nach einer raschen Überfahrt von 5 Minuten den Maxima Supermarkt in Klaipeda an, der, fährt man aus dem Hafen raus, genau gegenüber in einer Straße liegt. Die Einkäufe sind getätigt, wir fahren in die Stadt, finden auch gleich einen relativ zentrumsnahen Platz, sind aber von der Innenstadt ziemlich enttäuscht. Sogar der Simon Dach Brunnen wird renoviert, so dass wir kaum Bilder machen.

 

Ännchen von Tharau
Ännchen von Tharau

 

Also zurück zum Womo, es ist fast Mittagszeit, aber auf diesem staubigen Platz wollen wir nicht essen, fahren dann Richtung Palanga, aber auch unterwegs findet sich rein gar kein schönes Mittagsplätzchen und erst recht nicht in Palanga. Keine Parkplätze irgendwo, man muß auf der Straße parken oder hat Pech gehabt. Und dies ist ein bekannter Badeort. Wo lassen die Gäste alle ihre Autos ? In einer ruhigen Seitenstraße können wir dann doch parken, essen notgedrungen ein endlich mal gutes Weißbrot aus dem Supermarkt, diesmal ohne Kümmel und nicht süß. Danach steht ein Spaziergang durch die wirklich schöne Stadt an. Eine Fußgängerpromenade, die sich bis zum Strand hinunterzieht, lässt kulinarisch keine Wünsche offen. Restaurant reiht sich an Restaurant, Café an Café. Die üblichen Souvenir-Kirschbuden mit Bernstein in allen Variationen dürfen

auch nicht fehlen. Der Strand ist ziemlich belebt, obwohl ein kühler Wind vom Meer her weht. Gerne hätten wir auch noch das Bernstein-Museum besucht, aber Montags ist geschlossen.

Von Palanga zur Grenze nach Lettland sind es nur wenige km und auf der Karte haben wir uns einen Leuchtturm als Übernachtungsplatz ausgesucht. Dorthin führt jedoch nur eine ca. 10 km lange Schotterstrecke und dies wollen wir unserem Felix nicht zumuten.

Wir fahren durch das nächste Dorf namens Nica (zur größten Not gings auf dem Dorfplatz), sehen aber auf der Karte einen weiteren Leuchtturm, der nahe an der Straße liegt. Wir zweigen ab zum Dorf Bernati, Leuchtturm ist Fehlanzeige, er steht mitten im Wald, wir finden aber einen schönen Parkplatz direkt am Waldrand und nur ca. 200 m vom Meer entfernt. Ein Stuttgarter Womo sucht wohl ebenfalls einen ruhigen Übernachtungsplatz, aber er fährt wieder und wir stehen ganz allein und herrlich ruhig. In der untergehenden Abendsonne, die noch schön warm ist, trinken wir ein „Anlegebier“ und wenig später, als wir kochen, ziehen Nebelschwaden tief bis auf die Straße an uns vorbei. Um 19.45 Uhr gehe ich nochmal nach draußen,es ist eiskalt.

Die ca. 50 km von der Grenze hierher sind wir nur durch Birkenwälder gefahren und kaum einem Auto begegnet. Die Grenzabfertigung ging in sekundenschnelle vonstatten.

 

Dienstag,21. Juni 2005 - 12. Tag

 

Joggen am Morgen – klar, die Dorfstraße entlang. Dabei kann man richtig schön Häuser und Gehöfte begucken. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir einen ebenso ausgiebigen Strandspaziergang, der hier herrlich ist. Der Wald reicht direkt bis an den feinen Sand heran, der Strandstreifen ist ziemlich breit und sogar die Ostsee zeigt sich heute ganz klar. Baumwurzeln, die am Strand herumliegen, geben etwas Abwechslung und wir deuten Figuren und Gesichter daraus. Das Wetter ist wiederschön warm, man möchte gar nicht weg hier.

 

 

Bis Liepaja ist es nicht weit und obwohl dies eine Großstadt mit ca. 120.000 Einwohnern ist, mutet es eher dörflich an.

Ziemlich nahe am Zentrum finden wir einen Parkplatz mit so großen Schlaglöchern, dass wir uns nicht trauen, auf den Platz zu fahren, vor lauter Angst, das Womo kippt. Die Polizei kommt, stoppt den Verkehr, bis wir ruhig und sicher aber mit angehaltener Luft durch die Löcher gefahren sind und nun stehen. Sehr nett von den Herren! Zur Stadt ist es nicht weit, zuerst suchen wir eine Bank, denn ohne Geld läuft ja wieder nix. Im Touristenbüro besorgen wir uns ein paar Informationen, dann besichtigen wir die Kirche „The Holy Trinity“, deren Barock-Orgel lange Zeit die größte Orgel der Welt war, seit 1912 nur noch die größte in Europa, aber ähnlich schön wie Heilige Linde.

 

Sogar eine kleine Fußgängerzone gibt es hier. In einem netten Geschäft erstehe ich eine braune Lederhandtasche. Und dann drehen wir gleich wieder richtig auf, denn neben dem Dom befindet sich die Markthalle und alle Waren sind so lecker aufgebaut, dass einem sofort das Wasser im Mund zusammenläuft. Sauber und preiswert ist es obendrein und bald sind Kuchen, Wurst, Brot, Eier und Honig in unseren Taschen. Jetzt haben wir natürlich Hunger und ein Imbiss im Womo mit all den Köstlichkeiten schmeckt herzhaft und gut.

 

In Grobina sind die Reste einer alten Ordensritterburg aus dem 13. Jh. zu finden, aber wir

können uns nichts mehr darunter vorstellen. Auch fehlen jegliche Aufzeichnungen bzw. Bildtafeln. Außerdem nieselt es ein wenig und so fahren wir rasch weiter. Unser nächster Halt ca. 30 km weiter in Aizpute soll für den Anblick schöner alter Holzhäuser gedacht sein. Neben einer (verschlossenen) Kirche auf einem malerischen Wiesenhügel finden wir zwar massenweise Holzhäuser, aber keine schönen, im Gegenteil, wir finden den Ort ziemlich fad.

Unser heutiges Übernachtungsziel heißt Vilgale am gleichnamigen See. Zuerst finden wir den Ort gar nicht, weil von unserer Seite her kommend mal wieder nicht ausgeschildert und landen nach einigen km auf einer Schotterpiste, für die wir wieder gar keine Lust haben. Na klar, auf dem Rückweg entdecken wir das Ortsschild, der Ort macht jedoch einen total verkommenen Eindruck auf uns, weil überall alte verfallene Mietskasernen stehen und die Menschen gleichsam finster und misstrauisch aussehen. Nein, nichts für uns, also wieder ein Stück zurück in Richtung Schotterpiste, überall am Weg entlang findet man Bauernhöfe, die einen guten Eindruck machen. Wir gucken uns einen Hof aus, der vor dem Haus noch ein großes Wiesenblumenareal hat, gleich kommt der Bauer aus dem Haus. Wird nicht jeden Tag ein deutsches Womo bei ihm übernachten wollen, aber er ist freundlich und bietet uns sofort nachdem wir gefragt haben, weiter hinten einen noch ruhigeren Platz direkt neben einem Gemüsegärtchen und an der Scheune. Der Bauer hat deutsch in der Schule gelernt, na ja, es ist ein paar Tage her, aber immerhin ein paar Brocken kann er noch und so wird die Bierrunde mit anschließender Kuhstallbesichtigung ganz nett und informativ. Viele junge Leute verlassen die Dörfer, um ihr Geld in der Stadt oder gar in einem anderen Land zu verdienen. Seine Söhne leben in Dänemark und Irland. Dies haben wir im Verlauf des Urlaubes dann noch öfter gehört. Zur Abendromantik trägt der Seeblick sowie das Storchennest mit 2 Jungen auf einem Strommast bei.

 

Mittwoch, 22. Juni 2005 - 13. Tag

 

Heute starten wir nach einem langweiligen Joggen die schnurgerade Schotterpiste hinauf und wieder zurück schon um 9.00 Uhr,zunächst ist es noch warm, dann fängt es an zu tröpfeln.

In Kuldiga steigen wir schon wieder aus, aber außer einem schönen Rathaus gibt es hier wenig zu sehen, aus dem Tröpfeln wird auch Regen.

Zwischen Sabile (Weinanbaugebiet, aber wir sehen keine Rebstöcke) und Kandava wird die Landschaft ein bisschen hügelig, fast wie im Odenwald. In Sabile lohnt auch ein Halt nicht, Kandava umfahren wir großzügig.

Gegen 12.00 Uhr erreichen wir Schloß Jaunmoks, ein kleiner Palast aus roten Ziegelsteinen, das eine herrliche Lage hat und auch zum Besichtigen wunderschön ist mit seinen aus Delfter Kacheln gearbeiteten Kachelöfen. Es liegt eingebettet in Wiesen und das ganze Ambiente ist wirkungsvoll. Gerade findet eine Hochzeit statt, deren Gäste in 2 überdimensionalen Stretchlimousinen angefahren kamen.

 

Ca 12 km weiter in Tukums statten wir dem ersten lettischen Supermarkt einen Besuch ab, aber das Angebot ist wie überall.

Kaum sind wir an der Küste, beginnt die Stellplatzsuche, die sich aber wiederum schwierig gestaltet, da es nirgendwo Zugang zum Meer gibt, außer vielleicht einigen Fußpfaden, die wir aber gar nicht erst sehen. Bei Lapmezciems zweigen wir zu einem See ab, landen nach wenigen km beim Kanu-Club oder Fischerverein, so genau ist das nicht zu erfahren. Das Befragen eines älteren Herren nach einer Übernachtung wird zuerst vehement von ihm verneint, aber wir kommen auf die Idee, ihm unser Womo zu zeigen und da gibt er großzügig sein Einverständnis, weist uns eine Wiese direkt am See zu und wir stehen wieder einmalig.

Einige Jungs feiern schon in einem kleinen Seehäuschen, weil morgen Nationalfeiertag ist, wir trinken ein Bierchen mit, aber weil es regnet, machts denen auch keinen Spaß und sie fahren bald. Ganz allein sind wir hier, es ist herrlich ruhig und grün. Heute feiern wir „Bergfest“, obwohl wir weit mehr als die Hälfte des Urlaubs unterwegs sind. Aber man braucht ja immer einen Grund für ein Weinchen oder ein Bierchen.

 

Donnerstag, 23. Juni 2005 - 14. Tag

 

Es ist ja so schwül und Millionen von Mücken und Schnaken sind unterwegs, als wir morgens am See entlang joggen. Eine andere Straße gibt es aber nicht. So verlassen wir unseren ruhigen Wiesenparkplatz relativ früh, außerdem wartet Riga auf uns und bis dahin sind es nur ca. 40 km. Aufgehalten nur von einigen geschäftlichen Telefonaten finden wir den City-Campingplatz von Riga recht schnell, wir kommen aber auch von der richtigen Seite. Auf der A 10 von Richtung Jurmala her kommend fahren wir an der Abfahrt zum Flughafen vorbei und nehmen die nächste Abfahrt. Wir befinden uns auf der Straße Lietirbis und dann Kalnciema. Nach ca. 4 km auf dieser Straße führt dann eine beschilderte Abzweigung direkt zum Campingplatz „City Camping“ auf der Insel Kipsala. Schnell sind die Formalitäten erledigt und wir haben uns des restlichen bräunlichen Wassers von Nida entledigt. Der Tank wird mehrfach gespült, bis er endgültig sauber ist.

Gegen 12.00 Uhr starten wir in die Stadt, und über die Brücke am Fluss Daugava sind wir in weniger als einer halben Stunde in der Altstadt. Sofort bin ich begeistert vom Charme dieser Stadt, den alten Jugendstilhäusern, deren Anordnung, den Grünflächen dazwischen, den Plätzen und auch den Zeichen der einstigen Sowjetherrschaft. Wir laufen kreuz und quer, eigentlich sind nur Touristen unterwegs und als sich der Hunger meldet, landen wir dann prompt auch in einer der typischen Tourikneipen.

Vom Essen schweigen wir lieber, auch der wässerige Kaffee, den wir später noch irgendwo trinken, reißt uns nicht vom Hocker.

Aufgrund des Nationalfeiertages sind leider viele Geschäfte geschlossen, aber als gegen 16.00 Uhr Bill’s Armbanduhr endgültig versagt, stehen wir doch genau vor einem Juweliergeschäft, das geöffnet hat und dessen Umsatz wir dann wieder gesteigert haben.

Wir laufen noch zum Freiheitsdenkmal, dem Wahrzeichen der Stadt Riga. Die Statue als personifizierte Freiheit greift nach den Sternen, sinnbildlich nach den drei Provinzen Lettlands. Gegen 18.00 Uhr laufen wir zurück zum Campingplatz, in dessen Nähe ein Rami-Supermarkt ansässig ist. Das ist ja sehr praktisch. Wir informieren uns noch genau über alle Preise, denn morgen wollen wir die Markthallen leerkaufen.

 

Wir sitzen noch lange draußen, schwatzen noch ein wenig mit ein paar Kindern, die sich natürlich über unsere Mitbringsel freuen. Der Security Mann vom CP macht dem bald ein Ende und scheucht die beiden weg. Wie unfair, wir haben uns doch lediglich

unterhalten. Wir beschweren uns auch bei der Rezeption darüber. Der CP ist gut besucht, man kann viele Gruppenreisende erkennen, die sicher alle etwas skeptisch waren in Bezug auf die Länder und deren Sicherheit.

 

Freitag, d. 24. Juni 2005 - 15. Tag

 

Heute muß ich es ja einmal erwähnen. Wir stehen jeden Tag um 07.00 Uhr morgens auf. Das Joggen lässt sich hier rund um den Campingplatz auf ebenen Wegen und Straßen gut bewältigen. Erneut begeben wir uns auf den Weg in die Stadt und haben heute den denkbar schlechtesten Zeitpunkt für einen Riga-Besuch gewählt. Nachdem gestern Nationalfeiertag war, ist heute so etwas ähnliches wie „Brückentag“. Alle Kirchen, Museen, Geschäfte haben geschlossen. Wir schlendern bei herrlich warmem Wetter am Fluss Daugava entlang und sind genau um 12.00 Uhr am Rathausplatz, um eine Stadtrundfahrt zu machen. Hier steht auch das eindrucksvolle Schwarzhäupterhaus. Die freundliche Dame vom Empfang am CP hat dies für uns arrangiert. Wenigstens sehen wir so ein bisschen von der Stadt und die Erklärungen mittels Kopfhörer macht alles eindrucksvoller und verständlicher.

 

Im Anschluss an die Busfahrt laufen wir zu den riesigen Markthallen, die früher als Wartungshallen von Zeppelinen dienten und stellen zu unserer großen Enttäuschung fest, dass auch diese geschlossen sind bis auf ein paar kleine Stände mit wertlosem Plunder, die uns aber nicht interessieren. In der Nähe des Bahnhofs essen wir dann in einem italienischen Restaurant zu Mittag, aber es ist auch nicht die Offenbarung. Lettische nachgeahmte Italiener sollte man lieber lassen.

Wir laufen am Nachmittag zurück, um wenigstens bei Supermarkt Rami noch etwas zum Grillen zu kaufen, denn bei diesem herrlichen Wetter muss man grillen. Aber natürlich ist der Supermarkt auch geschlossen und wir müssen unsere ganzen Reste zusammensuchen. Es schmeckt dennoch und auch heute sitzen wir wieder lange draußen.

 

Samstag, 25. Juni 2005 - 16. Tag

 

Um 09.45 Uhr sind es bereits 25 Grad ! Die Dame vom Empfang ruft freundlicherweise in Schloß Rundale für uns an, um nach dem Preis zu fragen. Da wir heute wieder nach Litauen wollen, verbraten wir unsere letzten Lats im Rami, wollen uns jedoch das Geld für die Führung in Schloss Rundale aufheben. Und verkalkulieren uns natürlich ! Über Bauska führt die Straße fast schnurgeradeaus südwärts nach Rundale. Hier ist jede Menge Touristenrummel, ist es doch auch ein ganz herrliches Schloss, das auch ohne Führung richtig Spaß macht, zu besichtigen.

Zum Trost kaufe ich mir ein Buch mit genauer Beschreibung. Die ganze Geschichte kann man wunderbar in Reiseführern nachlesen, sei nur soviel gesagt, dass die russische Zarin Anna Iwanowna dieses Schloß für einen „Günstling“ der Provinz Kurland baute. Den Garten zu besichtigen, schenken wir uns, erstens weil ein Gewitter aufzieht und zweitens, weil er sooo schön nicht angelegt ist.  Kurzer Halt in Eleja, das absolut letzte Geld wird in Bier umgesetzt.

Kurz danach passieren wir die Grenze und sind wieder in Litauen. Ca. 10 km vor Siauliai biegen wir ab zum Berg der Kreuze, wo tausende und abertausende von Kreuzen zum Gedenken der Opfer des 2. Weltkrieges aufgestellt sind. Gläubige aller Nationen stellen hier Kreuze auf, ein junges Brautpaar will wohl auch um Glück und Segen bitten. Ein merkwürdiger, fast mystischer Ort.

Ein Stück vom Berg der Kreuze entfernt entdecken wir einen Kirchenkomplex, wohl auch ein kleines Kloster, mit einem P davor in schöner grüner Umgebung und ganz ruhig. Wir bleiben für den Rest des Tages hier und richten uns auch für die Nacht ein.Immerhin konnten wir bis zum Abendessen noch draußen sitzen, obwohl es mittlerweile abgekühlt hat und mächtig windig ist.

 

 

Berg der Kreuze
Berg der Kreuze

Sonntag, 26. Juni 2005 - 17. Tag

 

Heute nacht hat es gewaltig geregnet, es ist zwar kühl, aber die Sonne scheint schon wieder und die Wolken bilden tolle Formationen, weil sie relativ niedrig hängen.

Nach dem Frühstück fahren wir dann über Siauliai und Panevezys auf die Autobahn in Richtung Vilnius, deren Verlauf aber noch viel langweiliger ist als die Landstraße.

Gegen 13.30 Uhr erreichen wir Trakai und hier ist die Hölle los, wahrscheinlich, weil Sonntag ist. Alle Litauer verbringen den Tag auf Schloss Trakai. Natürlich ist nirgendwo ein Parkplatz zu ergattern, sie kosten ohnehin alle Gebühren und so parken wir gleich am Ortseingang auf einem großen P, auf dem auch Busse stehen. Die Gebühren betragen 10,- Litas und wir können auch hier übernachten. Das Wetter ist wieder schön, die Umgebung sehenswert, weil Trakai von mehreren Seen umgeben ist, das Wasserschloss bildet schöne Fotomotive. Wir besichtigen das Schloss, laufen später einen Fußweg am See entlang, dann zurück durch den Ort, der sehr gepflegt und auch sehenswert ist. Am Platz zurück sind es nicht wesentlich weniger Autos geworden und auf meine Frage, ob es nachts auch ruhig ist, meint der Parkplatzwächter, wir sollten lieber an den Parkplatz am Feuerwehrhaus fahren, dort ist es zwar direkt an der Straße, aber nachts nichts los. Hier auf dem P treffen sich abends und nachts alle Jugendlichen. Oh je, nichts für uns und so ziehen wir um, auch ist unser Ticket auf dem anderen P gültig. Gleich neben dem neuen P ist ein Restaurant, dessen Bier wir unmittelbar nach Ankunft testen, für gut befinden und später dann auch dort essen gehen. Es entpuppt sich als halb-türkisches Restaurant (irgendwie haben wir ja nur Pech), aber man kann es ganz gut genießen. Wir essen Fisch in Teigtaschen gebacken, die zwar etwas trocken sind, aber gut mit Bier gespült werden.Und schon ist wieder ein Tag vorbei.

 

Montag, 27. Juni 2005 - 18. Tag

 

Das Wetter ist schön, wir haben eine ruhige Nacht verbracht, laufen mit dem Hund noch ein Stück und weiter geht die Fahrt in Richtung Vilnius. Die Stadt ist schon an der Peripherie riesig und im Stadtkern reiht sich Auto an Auto. Doch ziemlich schnell finden wir einen Parkplatz direkt am Fluss Neris, der sogar kostenfrei ist und laufen am Nationalmuseum über den Kardinalsplatz direkt ins Stadtzentrum. Zwar gibt es auch hier viele schöne alte Jugendstilhäuser, die aufwändig restauriert wurden, aber gegen Riga flacht es doch etwas ab. Wir hätten uns Vilnius zuerst ansehen sollen. Irgendwie nehmen wir uns aber auch nicht die rechte Zeit, wir hetzen schon etwas durch und betrachten eher alles flüchtig. In einem im Buch empfohlenen Restaurant essen wir zu Mittag, aber man ahnt es schon, es ist wieder mal alles andere als Litauisch. Wegen Zeitmangel ersparen wir uns die Burg (ich hätte sie trotzdem gerne gesehen), danach erstehe ich in der Fußgängerzone eine rote Keramikvase, die hoffentlich zu Bills Geburtstagsgeschenk passt.

 

Der Rückweg bis nach Trakai ist der gleiche und da wir uns den Hinweg gut gemerkt haben, finden wir auch schnell wieder aus der Stadt heraus. Nach Trakai wird die Landschaft richtig schön, ein wenig hügelig, es blitzen viele Seen aus den Wäldern

hervor, sehr lieblich. Leider wird auf viele km die Straße asphaltiert, sodass wir nur auf Schotter fahren und recht langsam vorankommen. In Marijampoje ist ein Maxima so gut ausgeschildert wie nirgendwo vorher in den Städten. Er wusste, dass wir kommen und sozusagen Ebbe im Kühlschrank ist. Wir decken uns dann auch noch einmal mit allen wichtigen Lebensmitteln ein, wollen wir doch wieder nach Vystitis auf „unsere Wiese“. Dort angekommen, sind wir ziemlich enttäuscht. Viel mehr Dreck als vor 14 Tagen, überall Reste von wüsten Gelagen und Picknick-Hinterlassenschaften. Wir räumen notdürftig auf. Dafür ist aber auch der See weit wärmer als vor 14 Tagen und vergnügt plantschen wir darin herum. Zum Abendessen gibt es Zeppelinkartoffeln, die ganz lecker mit Hackfleisch gefüllt sind.

 

Dienstag, 28. Juni 2005 -19. Tag bis

Donnerstag, 30. Juni 2005 - 21. Tag

 

Unser Traum von 2 Tagen sonnenbaden am See ist um 5.00 Uhr morgens ausgeträumt, denn es regnet in Strömen und wir verlassen wieder, wie schon anfangs unserer Reise, eiligst die Wiese, um später ja nicht steckenzubleiben. Auf dem Parkplatz oben im Ort beratschlagen wir dann, was weiter zu tun ist. Der Himmel sieht nicht so aus, als ob es sich heute wieder auflockert und nur unsere Zeit abstehen wollen wir in dieser Einöde auch nicht, obwohl diese bei schönem Wetter zugegeben ausgesprochen idyllisch ist.

Was kann ich von diesem Tag dann noch schreiben ? Dass wir 10 Stunden gefahren sind, dass die Straßen in Polen eine einzige Baustelle sind, dass sich Ort an Ort reiht und die sehen alle gleich aus. Die Landschaft wechselt kaum, nur Wiesen, Feld und Wald, hinter Rozan etwas heideähnlich, aber ab wann das alte Landschaftsbild wieder da ist, kann ich gar nicht sagen.

Parkplätze zum Übernachten finden wir auch nicht und direkt an der Hauptstraße bleiben wir auf keinen Fall. Wir fahren ein bisschen abseits der Straße, finden auch da nichts bis auf einen schön gelegenen Parkplatz einer örtlichen Feuerwehr. Leider verweigert

uns der zuständige junge Mann, der gerade Dienst macht, die Aufenthaltserlaubnis. In Gostynin finden wir dann endlich einen Parkplatz hinter der Kirche, der ruhig ist und sich zum Übernachten eignet.

Es hat übrigens dann doch schon in Vystitis aufgehört zu regnen, den Tag über war es sogar recht schön und jetzt am Abend könnte man sogar draußen sitzen.

 

 

Wir verbringen eine ruhige Nacht hier auf dem Parkplatz, laufen morgens durch den Ort und entdecken jede Menge Wasserpumpstellen, die jedoch mit Womo alle nicht anfahrbar sind, weil die P zu klein oder erst gar keine da sind. Unsere Fahrt geht bei sehr schönem

Wetter weiter in Richtung Westen. Zwischen Konin und Posen gibt es ein Stück Autobahn, wir genießen die ruhige Fahrt nach all den Unebenheiten der Straße. Relativ zügig geht es nach dem Mittagessen in der Nähe von Posen dann weiter und ca. 30 km vor der deutschen Grenze sehen wir die Straßenverkäufer, die uns schon auf der Hinfahrt ins Auge gestochen sind. Aller möglicher Kitsch von Keramiktieren bis hin zu Holzbrunnen wird verkauft. Wir erstehen 2 Körbe für unser Kaminholz und ein Tier für Mutters Garten.

Um 17.30 Uhr laufen wir unsere 1. Station dieses Urlaubes, nämlich Bad Saarow, wieder an und es gibt noch Platz für uns.

Gleich kommt der freundliche Platzwart wieder an. Wir vertreten uns ca. 1 Stunde die Füße, nach all der Fahrerei tut es gut zu laufen, es ist herrlich warm und zum Abendessen

laufen wir in den Nachbarort, um gemütlich in einem Restaurant zu essen. Nun sind uns noch 2 Tage Urlaub übrig geblieben und wir beschließen, diese hier in der Gegend zu verbringen. Eine Womo-Besatzung hat uns einen Campingplatz ca. 30 km von hier

empfohlen, den wir morgen ansteuern wollen. Wir trinken noch ein letztes Bierchen draußen vor dem Womo.

 

Um 09.30 Uhr sind es 17 Grad, das Wetter will doch nicht schlechter werden ? Die Fahrt geht über die Dörfer nach Alt Schadow.

Der uns empfohlene CP ist nicht unser Geschmack, es gibt einen weiteren, der aber ziemlich weit abseits auf einer Halbinsel liegt.

Bisschen sehr weit abseits für meinen Geschmack, aber was solls. Die nächsten 2 Tage schlagen wir hier auf dem CP ? unser Lager auf und stellen uns auf die Wiese direkt am See, die wir den ganzen Tag für uns alleine haben. Erst gegen Abend kommt ein junges Paar mit Zelt. Die Sonne kommt auch wieder hervor und wir liegen den ganzen Tag faul im Liegestuhl, schwimmen  im See, verscheuchen Mücken aller Art (sehr lästig!) und benutzen heute zum 1. Mal unsere Außendusche. Abends wird selbst gekocht und wir freuen uns, einen schönen erholsamen Tag gehabt zu haben.

Freitag, 1. Juli 2005 - 22. Tag bis

Samstag, 2. Juli 2005 - 23. Tag

 

Schade, heute nacht hat es heftig geregnet, aber pünktlich zum joggen hört es auf. Zwischendurch kommt aber doch immer mal ein Regenguß. Ein Bäckerauto bringt leckere Brötchen und wir genießen ein ausgiebiges Frühstück. Später laufen wir in den Ort, der rein gar nichts bietet, aber immerhin 2 Kneipen, von denen wir uns eine für heute abend zum essen ausgucken. Wir lesen dann ein bisschen, der ganze Tag ist richtig entspannend, am Nachmittag laufen wir durch Feld und Wald zu der vom CP gegenüberliegenden Bungalowsiedlung, die hier rund um den See verstreut liegen. Was wäre der Osten ohne seine „Datschen“? Später wird noch einmal im See geschwommen. Jetzt haben wir richtig Hunger für ein Schnitzel in der Dorfkneipe.

 

Es war sehr laut heute nacht. Hinter uns standen seit gestern Nachmittag einige kleine 2-Mann-Zelte und wir können eigentlich von Glück sagen, dass es nachts geregnet hat, sonst wäre es noch lauter gewesen. Wir joggen ein letztes Mal und treten gegen 9.30 Uhr die Heimreise an, die ohne Staus und sonstige Verkehrsbehinderungen gut verläuft.

 


 

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